Wiederanfahren genehmigt

AKW Krümmel geht nach 2 Jahren Stillstand wieder ans Netz

Das seit knapp zwei Jahren abgeschaltete Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein darf wieder ans Netz gehen. Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht genehmigte am Freitag einen entsprechenden Antrag des Anlagenbetreibers Vattenfall Europe. Atomkraftgegner kritisierten die Genehmigungserteilung.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp-nrd/red) - Schleswig-Holsteins für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte, "die Atomaufsicht hat zum Schutz der Bevölkerung strengste Maßstäbe angesetzt". Während des rund zweijährigen Stillstandes seien unter Hinzuziehung zahlreicher externer Sachverständiger die Arbeiten von Vattenfall "fortlaufend intensiv überwacht und kontrolliert" worden.

Der Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Sozialministerium, Wolfgang Cloosters, betonte, bei der Aufarbeitung des Störfalls habe die Atomaufsicht insbesondere das Zusammenwirken von Mensch und Technik, die internen Kommunikationsabläufe sowie die Zuverlässigkeit der Betreibergesellschaft geprüft. Schwerpunkte der Revisionsarbeiten seien die Sanierung von Armaturen mit Rissstellen und die Erneuerung von Dübelverbindungen in sicherheitstechnisch wichtigen Bereichen, so Cloosters. Die von der Atomaufsicht durchgesetzte Armaturensanierung entspreche dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.

Atomkraftgegner haben Mahnwache angekündigt

Atomkraftgegner kritisierten die Entscheidung. "Den Betrieb eines Reaktors zuzulassen, der nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, ist ein politisches Armutszeugnis", sagte der Sprecher der Initiative "ausgestrahlt", Jochen Stay. Trauernicht hätte die "Betriebsgenehmigung aus dem Jahr 1988 problemlos widerrufen können". Am Samstag um 18.00 Uhr wollen Atomkraftgegner eine Mahnwache vor dem Atommeiler starten. "Am 3. Juli ist gemeinsam mit Bauern aus dem Wendland eine Blockadeaktion vor dem Kraftwerk geplant", sagte "contrAtom"-Sprecher Jan Becker.

Weitere Prüfungen bei Wiederanfahren

Am Dienstag hatte der Energiekonzern den Antrag zur Wiederinbetriebnahme des Atommeilers gestellt. Das Hochfahren des Reaktors selbst wird sich über mehrere Tage erstrecken. Während dieses Vorgangs sollen viele Funktionen geprüft werden, die während des Stillstands nicht erfasst werden konnten. Das AKW Krümmel ist seit dem 28. Juni 2007 aufgrund eines Maschinentransformatorbrandes und eines dadurch verursachten Störfalls außer Betrieb.

Auch AKW Brokdorf nach Jahresrevision vor Start

Nach Abschluss des jährlichen Brennelementwechsels geht auch das AKW Brokdorf wieder ans Netz. Während des Anlagenstillstands wurden 56 der insgesamt 193 im Reaktorkern befindlichen Brennelemente gegen frische Brennelemente ausgetauscht. Seit Ende hatte es in dem AKW zwei meldepflichtige Ereignisse gegeben. Am 5. Juni kam es zum irrtümlichen Starten eines von vier Notstromaggregaten. Außerdem wurden am selben Tag Schäden an Rohrleitungen des nuklearen Entwässerungssystems festgestellt. Die entsprechenden Rohrleitungsstücke seien ausgetauscht worden.