Sicherheitsmängel

AKW in Baden-Württemberg haben gravierende Mängel

Die vier Atomkraftwerke in Baden-Württemberg sollen laut einer Studie des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hohe Sicherheitsmängel aufweisen, die auch nicht durch Nachrüstungen zu beheben seien. Atomkraftgegner fordern die sofortige Abschaltung eines der AKWs.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (dapd-bwb/red) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellt die Sicherheit der vier in Baden-Württemberg betriebenen Atomkraftwerke (AKW) infrage. Eine vom BUND in Auftrag gegebene Studie belege, dass Philippsburg I und Neckarwestheim gravierende Sicherheitsmängel hätten, die nicht durch Nachrüstungen behoben werden könnten, sagten die Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg und die Autorin der Studie, am Mittwoch in Stuttgart.

Seit 1994 nicht auf dem neuesten Stand

Dies gelte etwa für veraltete Reaktorgebäude, Sicherheitsbehälter, Reaktordruckbehälter und Lagerbecken. Aber auch die neueren Kraftwerke Philippsburg II und Neckarwestheim II hielten nicht die gesetzlichen Sicherheitsstandards ein, die seit 1994 gälten. In allen vier Meilern bestehe die Gefahr eines schweren Unfalls, hieß es. Besonders Philippsburg I sei einer der verwundbarsten Reaktoren, was die Gefahr eines Terroranschlags angehe.

Die Landesvorsitzende des BUND forderte, die Anlagen müssten vom Netz genommen werden. Mit Blick auf die im vergangenen Jahr von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung müsse die Landesregierung wenigstens bis Juli 2011 Sicherheitsberichte über die Meiler verlangen. Darin sollte detailliert aufgelistet werden, wie und wann Mängel behoben werden. Außerdem müssten unabhängige Gutachter eingesetzt werden.

Grüne wollen zwei AKWs abschalten

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) bekräftigte die Forderung des BUND, die Atomkraftwerke abzuschalten. Dafür spreche neben den in der Studie genannten Sicherheitsrisiken auch, dass es für die strahlenden Abfälle aus solchen Kraftwerken kein sicheres Endlager gebe. Außerdem habe eine Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten im Februar in Neckarwestheim I gezeigt, wie schlecht das Gelände vor Eindringlingen gesichert sei. Die Atomkraftgegner hatten einen Kühlturm des Meilers besetzt.

Die Grünen wollen im Falle einer Regierungsbeteiligung eine Schwachstellenanalyse bei den baden-württembergischen Meilern in Gang bringen. Zudem wolle man Nachrüstungen für Philippsburg I und Neckarwestheim I einfordern. Ziel bleibe aber, die Meiler möglichst rasch abzuschalten. So solle Neckarwestheim I nach dem Wunsch der Fraktion sofort und Philippsburg I spätestens 2012 vom Netz genommen werden.

Atomkraftgegner wollen Menschenkette bilden

BUND, NABU und die Grünen kritisierten, dass notwendige Sicherheitsnachrüstungen, die der Betreiber schon 2007 für Neckarwestheim I beantragt habe, bisher noch nicht umgesetzt worden seien. Schon im Februar war die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) deshalb in die Kritik geraten.