Kommunikation versagt

AKW Brunsbüttel nach neuen Fehlern vollständig abgeschaltet

Nach neu entdeckten Mängeln ist das Atomkraftwerk Brunsbüttel vollständig abgeschaltet worden, Experten untersuchen derzeit einen Sicherheitsbehälter des Kraftwerkes. Unterdessen räumte Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson ein, dass Vattenfall Europe in der Kommunikation "total versagt" habe.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp/sm) - Bei Routineüberprüfungen im Kraftwerk Brunsbüttel seien im Sicherheitssystem fehlerhafte Verankerungen festgestellt worden, sagte ein Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen schleswig-holsteinischen Sozialministeriums am Samstag in Kiel. Die Verankerungen seien Teil der Rohrleitungshalterungen des Not- und Nachkühlsystems.

Experten der Reaktoraufsicht haben heute mit einer Untersuchung des Sicherheitsbehälters begonnen. Die Sachverständigen wollen unter anderem die im Sicherheitssystem entdeckten fehlerhaften Halterungen begutachten, sagte ein Sozialministeriumssprecher auf ddp-Anfrage. Der Sprecher ging davon aus, dass der Atommeiler wohl bis mindestens Mitte der Woche noch abgeschaltet bleiben wird.

Das AKW Brunsbüttel war am Samstag komplett abgeschaltet worden. Der Meiler befand sich bereits zuvor wegen eines Ölwechsels am Transformator nur in einem Stand-by-Zustand. Dabei wurde auf niedrigem Niveau Energie für den Eigenbedarf erzeugt. An den jüngst entdeckten fehlerhaften Halterungen sind Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems befestigt.

Vattenfall-Chef spricht von "Bunkermentalität" in Kraftwerken

Vattenfall-Chef Josefsson sagte indes, es werde "bestimmt noch ein Jahr" dauern, bis das Unternehmen seine alten Werte der Offenheit und Fairness wieder erreiche. "Das können wir nicht über Nacht schaffen", betonte wer. Erst müsse sich die Kultur im Unternehmen ändern. Er nennt als Grund für die lange Umbauphase in der Kommunikation das große Misstrauen gegen die Kernkraft in der Öffentlichkeit. "Unsere Mitarbeiter haben keine Angst vor der Kernkraft, aber manchmal vor der Außenwelt. Viele denken: Da draußen sind unsere Feinde, und wenn wir etwas sagen, werden die das doch nur missbrauchen", sagte Josefsson dem "Spiegel". "Ja, es gibt eine gewisse Bunkermentalität."

Er sagte weiter: "Für unsere Firma sehe ich überhaupt keinen Grund, unsere Kompetenz anzuzweifeln, Kernkraftwerke zu betreiben." Er kündigte an, dass Vattenfall das abgeschaltete Kernkraftwerk Krümmel bald wieder anfahren wird. Sowohl Krümmel als auch das Atomkraftwerk Brunsbüttel seien "absolut" sicher, betonte er. In Krümmel habe beim Brand des Transformators die Sicherheit des Reaktors nie in Frage gestanden. Für Brunsbüttel werde derzeit eine umfassende Sicherheitsanalyse erstellt.

Am 28. Juni waren die AKW Krümmel und Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. Im AKW Krümmel hatte nach einem Kurzschluss ein Transformator gebrannt. Wenige Tage später wurde bekannt, dass es bei der Abschaltung zu Missverständnissen zwischen dem Schichtleiter und dem Reaktorfahrer gekommen war.