Alter Reaktor

AKW Biblis: CDU will Laufzeit verlängern, Grüne fordern Abriss

Angesichts der jüngsten Pannen in deutschen Atomkraftwerken haben Hessens Grüne ihre Forderung nach Stilllegung des Meilers Biblis bekräftigt. Die CDU-geführte Landesregierung von Hessen hält aber trotz der jüngsten Pannen an einer Laufzeitverlängerung für den 33 Jahre alten Meiler Biblis A fest.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp-hes/sm) - Grünen-Fraktionschef im hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir, rief die Betreiberfirma RWE am Dienstag in Wiesbaden dazu auf, die seit einem Dreivierteljahr still stehenden Biblis-Blöcke A und B nicht wieder in Betrieb zu nehmen und stattdessen mit dem Rückbau der über 30 Jahre alten Anlage zu beginnen.

Eine Stilllegung der besonders störanfälligen älteren Atomreaktoren sei das "Gebot der Stunde", sagte Al-Wazir. Der Grünen-Fraktionschef erklärte zugleich seine Unterstützung für den Vorschlag von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Reststrommengen von älteren auf jüngere Atomkraftwerke zu übertragen.

Auch SPD-Energieexperte Hermann Scheer ist der Meinung, dass Biblis aufgrund schwerwiegender Mängel nicht mehr in Betrieb gehen soll. Von den 49 Auflagen, die RWE 1991 bekommen habe, seien bis heute nur etwa die Hälfte umgesetzt, schreibt die Franfurter Rundschau online. Die SPD wolle mit einer parlamentarischen Anfrage eine Auskunft über die Auflagen erlangen.

Landesregierung pocht auf Laufzeitverlängerung

Ungeachtet der aktuellen Vorfälle hält die CDU jedoch an der Atomkraft fest. Landesumweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) verlangte von Bundesumweltminister Gabriel, einer Strommengenübertragung vom AKW Emsland auf Biblis A zuzustimmen.

Das von Gabriel angekündigte Gespräch mit den deutschen Kraftwerksbetreibern über eine frühere Stilllegung alter Atomanlagen nannte Dietzel ein "durchsichtiges politisches Manöver ohne sicherheitstechnischen Hintergrund". Die "mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit" nach den Ereignissen in Brunsbüttel und Krümmel habe zwar zu einem "erheblichen Imageschaden für die Kerntechnik geführt". "Tagespolitische Effekte" dürften jedoch nicht "zur Grundlage weitreichender politischer Entscheidungen werden", sagte Dietzel.

Die Biblis-Blöcke A und B gehören zu den ältesten noch laufenden Reaktoren in Deutschland. Seit ihrer Inbetriebnahme 1974 und 1976 haben sie durch zahlreiche Pannen und Mängel Schlagzeilen gemacht. Seit vergangenen Herbst stehen beide Blöcke außerplanmäßig still. Grund sind Tausende falsch montierte Dübel im Kraftwerk - ein Fehler, der erst im Zuge einer Revision entdeckt wurde. Einen konkreten Termin, wann Biblis wieder ans Netz geht, gibt es noch nicht.

Bereits vor zwei Monaten war RWE mit dem Versuch gescheitert, Reststrommengen vom stillgelegten Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich auf Biblis A zu übertragen. Nun setzt RWE, unterstützt von Hessens Landesregierung, auf eine Übertragung von Strommengen des Atomkraftwerks Emsland. Einen entsprechenden Antrag prüft zurzeit noch das Bundesumweltministerium.