Umstrittene Wirksamkeit

AKW Biblis bekommt Vernebelungsanlage gegen Terrorangriffe

Mit zweijähriger Verzögerung bekommt das Atomkraftwerk Biblis eine Vernebelungsanlage gegen Terrorangriffe mit Flugzeugen. Die Betreiberfirma RWE Power habe vom hessischen Umweltministerium eine erste Teilgenehmigung für die Errichtung der Anlage erhalten, teilte die Kraftwerksleitung gestern mit.

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Biblis (ddp-rps/sm) - Ursprünglich sollte die Anlage in Biblis bereits 2005 genehmigt werden. Das Vernebelungsprinzip wurde dann jedoch zunächst in einem Pilotversuch am niedersächsischen Kernkraftwerk Grohnde erprobt. Biblis wird nun die bundesweit zweite Anlage, die das Tarnschutzsystem erhält. Nach und nach sollen auch alle anderen deutschen Atomkraftwerke mit der Technik ausgerüstet werden.

Eine Studie der Reaktorsicherheitskommission war nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 zu dem Schluss gekommen, dass besonders ältere deutsche Atommeiler mit ihren dünneren Betonwänden nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert sind. Fachleute äußerten die Befürchtung, dass etwa der Aufprall eines Airbus auf den Reaktor Brunsbüttel oder Biblis zu einem Super-GAU führen könnte.

Mit der Anlage soll das Atomkraftwerk in Südhessen in kürzester Zeit in einer Nebelwand verschwinden können. Die Frage nach der Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Eine Greenpeace-Studie kam schon 2004 zu dem Ergebnis, dass künstlich erzeugte Nebel an Atomkraftwerken weitgehend wirkungslos wären. So sei fraglich, ob die kurzen Alarmzeiten für eine Vernebelung ausreichten. Auch könnten Terroristen an Flugsimulatoren Angriffe im Blindflug üben und sich an markanten Punkten in der Umgebung orientieren. Zudem könne Wind die Nebelhülle einfach schnell wegblasen.