Theorie und Praxis

AKW-Betreiber müssen bis 2,5 Milliarden Euro haften

Die Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft informiert darüber, welche Summen im Falle einer nuklearen Katastrophe versichert wären. Theoretisch haften die Betreiber unbegrenzt, doch praktisch ist das Risiko so hoch, dass es von keinem Unternehmen ausreichend abgesichert werden kann.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (dapd/red) - Käme es in Deutschland zu einer Nuklearkatastrophe, so wären Schäden in (zumindest einstelliger) Milliardenhöhe durch Versicherungen und einen Haftungspool der Kernkraftwerksbetreiber abgesichert. Darauf hat am Montag der Geschäftsführer der Deutschen Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft (DKVG), Dirk Harbrücker, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd hingewiesen.

Harbrücker betonte, prinzipiell hafte der Kernkraftwerksbetreiber unbegrenzt für Schäden, die Dritten durch einen Reaktorunfall zugefügt würden. Doch schreibe das deutsche Atomgesetz unabhängig davon eine Deckungsvorsorge in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vor.

Prinzipiell unbegrenzte Haftung

Die ersten 256 Millionen Euro würden dabei von der deutschen Versicherungswirtschaft über die DKVG aufgebracht, sagte Harbrücker. Für den restlichen Betrag greife dann eine Solidarhaftung der vier deutschen Kernkraftwerksbetreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Zunächst sei hier der Mutterkonzern des betroffenen Reaktors gefordert. Falls er überfordert sei, träten die anderen Kernkraftwerksbetreiber mit festen Anteilen an seine Seite. Zur Not springe auch der Staat ein.

Risiken sind nicht versicherbar

Klar ist jedoch, dass eine einstellige Milliardensumme niemals ausreichen würde, um die durch einen schweren Reaktorunfall entstandenen Schäden auch nur ansatzweise auszugleichen. Um alleine das Deutsche-Bank-Gebäude in Frankfurt wieder aufzubauen, wäre schon ein Viertel der 2,5 Milliarden Euro fällig, um ein Beispiel zu nennen. Sollten wirklich einmal größere Mengen Radioaktivität austreten, ist leicht auszurechnen, dass die genannten Haftungssummen nur ein Tropfen auf den heißen Stein wären.

Der Hintergrund: Das Risiko, ein Kernkraftwerk zu betreiben, ist nicht realistisch versicherbar - weil nicht zu beziffern.