Rezension

Aktuell: VIK-Bericht zum neuen EnWG

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat in einer aktuellen Publikation Hinweise zur Anwendung des neuen Energiewirtschaftsrechts zusammengetragen und macht gleichzeitig deutlich, an welchen Stellen die Vorgaben zu unkonkret sind, wodurch eindeutige Regelungen verhindert werden.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen/Wetzlar (red) - Seit Juli ist das neue Energiewirtschaftsrecht in Kraft, die Bundesnetzagentur hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Die Grundzüge des neuen Vertragswerks sind klar, aber über die genaue Ausgestaltung und die Anwendung des Rechts herrscht momentan noch Unklarheit innerhalb der Branche - zu neu ist das Gesetz und zu wenige Erfahrungswerte liegen vor. Daher erscheint die aktuelle Publikation des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) zum neuen EnWG genau zum richtigen Zeitpunkt, schließlich haben die Interessensvertreter der Großverbraucher den Gesetzgebungsprozess intensiv begleitet.

"Der VIK-Bericht 222: Das neue Energiewirtschaftsgesetz 2005 und seine Bedeutung für den Energiekunden" bietet auf 44 Seiten und in zehn Kapiteln neben Hinweisen zur Anwendung des neuen Rechts auch vielerlei Informationen zur Interpretation des Gesetzestextes. Zudem machen die Experten deutlich, an welchen Stellen die Vorgaben zu unkonkret sind und dadurch eindeutige Regelungen verhindert werden. Allem voran steht eine Zusammenfassung der Geschichte der Liberalisierung des deutschen Strom- und Gasmarktes, gefolgt von einem Gesetzes-Extrakt und einer Identifizierung der Akteure. Anschließend diskutieren die Autoren die Frage der Bildung von Netzentgelten in einem regulierten System, Stichworte: Maßstäbe, Kalkulation, Kosten, Netze, Vergleichsverfahren, Genehmigungsverfahren und Anreizregulierung.

Es folgen weiterführende Details zum Netzzugangssystem im Gasmarkt (Stichworte: Entry-Exit-Modell, Kapazitätsvertrag, Bilanzkreisvertrag) und im Strommarkt (Stichworte: Standardangebote zum Netzzugang, Verlust- und Regelenergie, Engpassmanagement, Transparenz). Die siebte Kapitel behandelt die veränderten Rechte und Pflichten der (industriellen) Kunden, hierbei geht es insbesondere um Objektnetze, Sonderformen der Netznutzung und Missbrauchsverfahren. Schließlich werden Baukostenzuschüsse und die Rechte der Kunden auf Grundlage von EU-Verordnungen behandelt. Ein Ausblick auf die Perspektiven und die notwendige Weiterentwicklung des Ordnungsrahmens komplettieren den VIK-Bericht Nummer 222.

Der VIK macht in seiner Publikation deutlich, dass industrielle und gewerbliche Energiekunden mit dem beim neuen EnWG erzielten Durchbruch durchaus eine Chance auf Wettbewerb bei Strom und Gas haben. Als äußerst hilfreiche Gesetzeskomponenten identifiziert der Verband die Fortschritte hin zu einem funktions- und börsenfähigen Entry-Exit-Netzzugangskonzept und das Prinzip der Kostenwälzung auch bei Gasnetzen. Auch die neue, regelzonenübergreifende Ausschreibung von Regelenergie biete ein erhebliches Einsparpotenzial. Zu einer kurzfristigen Erhöhung der Netzentgelte wird hingegen laut VIK das im EnWG festgeschriebene Splitting zwischen Nettosubstanzerhalt für Altanlagen und Realkapitalerhalt für Neuanlagen führen.

Zwar werden die kommenden Monate erst noch zeigen, an welchen Stellen die Umsetzung des neuen Energierechts noch zu verbessern ist und welche Bereiche noch weiter entwickelt werden müssen - der VIK verschafft seinen Mitgliedern und allen anderen interessierten industriellen Großkunden aber schon jetzt einen Informationsvorsprung, der für eine erfolgreiche und kostengünstige Energiebeschaffung durchaus vorteilhaft sein kann.

VIK-Berichte Nr. 222 (September 2005): Das neue Energiewirtschaftsgesetz 2005 und seine Bedeutung für Energiekunden. Preis: 69 Euro für Nicht-Mitglieder, 52 Euro für Mitglieder, zzgl. Porto und Verpackung. Bestellungen per Fax: 0201-8108430 oder per Mail: c.schlaborn@vik.de.