Schwerwiegend

Ärzteverband: AKW haben viele Sicherheitsmängel

Nach Angaben der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW gibt es in deutschen Atomkraftwerken mehrere Hundert "schwerwiegende Sicherheitsdefizite". Die Behörden würden die Bevölkerung nur unzureichend informieren, obwohl entsprechende Informationen in den Behörden verfügbar seien.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Organisation widersprach am Dienstag FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, der am Vortag in einem Pressegespräch erklärt hatte, wenn der frühere Bundesumweltminister, Jürgen Trittin (Grüne), auch nur ein einziges unsicheres Atomkraftwerk entdeckt hätte, wäre es mit Sicherheit in seiner Amtszeit abgeschaltet worden. Niebel äußerte im Umkehrschluss die Vermutung, dass es gegen die zurzeit in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke "offenbar keine ernsthaften Sicherheitsbedenken" gebe.

Diese Schlussfolgerung Niebels sei "schlichtweg falsch", sagte der Atomexperte der IPPNW, Henrik Paulitz. "Wir wissen das sehr genau, weil wir seit Jahren sicherheitstechnische Gutachten zum Atomkraftwerk Biblis B auswerten, um die Stilllegung durch eine Klage vor Gericht zu erreichen." Für Biblis B könne die Ärzteorganisation bereits mehr als 150 schwerwiegende Sicherheitslücken nachweisen.

Die IPPNW beruft sich hierbei auf offizielle Bewertungen unter anderem der Gesellschaft für Reaktorsicherheit, der Reaktorsicherheitskommission des Bundes, des TÜV Süd und des Atomkraftwerksherstellers Siemens. "Dabei haben wir noch nicht einmal alle uns verfügbaren Unterlagen ausgewertet", so Paulitz. Vermutlich gebe es sogar mehrere hundert gefährliche Sicherheitslücken in Biblis B.

Paulitz warf den zuständigen Behörden vor, die Bevölkerung nur unzureichend über die Sicherheitsdefizite der Atomkraftwerke zu informieren, obwohl diese Informationen in den Ministerien großteils verfügbar seien. "Wir haben den Eindruck, dass sich die Politiker nicht wirklich für die Sicherheitsdefizite interessieren", betonte Paulitz und fügte hinzu: "Das mag daran liegen, dass sie die Atomkraftwerke stilllegen müssten, wenn sie die große Zahl von Sicherheitslücken offen eingestehen würden."