Kein Zufall

Ärzteorganisation: Zu wenig Mädchengeburten in Asse-Region

Nach Einschätzung der Regierung ist die Häufung der Krebsfälle in der Umgebung des Atomlagers Asse Zufall. Die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW widerspricht dem jedoch. Neben der erhöhten Rate an Krebserkrankungen spreche auch die verminderte Anzahl an Mädchengeburten für einen biologischen Einfluss der Strahlung.

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Berlin/Remlingen (dapd/red) - Neben den gehäuften Krebsfällen gebe es auch deutlich zu wenig Mädchengeburten in der Region, teilte die Organisation am Montag in Berlin mit. "Den Zufall als Ursache anzunehmen, erscheint extrem unwahrscheinlich", heißt es in der Mitteilung.

Weniger Mädchengeburten in der Nähe von Atomanlagen

Nach einer Studie sind die Geburtsraten von Mädchen in der Region deutlich niedriger. Statt des statistisch zu erwartenden Relation von 105 Jungen zu 100 Mädchen lag die Geschlechterverteilung in Remlingen von 1971 bis 2009 bei 125 zu 100. Die IPPNW wertet die fehlenden Mädchengeburten als deutlichen Hinweis auf mögliche biologische Auswirkungen durch ionisierende Strahlung in der Asse-Region. Eine im Oktober 2010 veröffentlichte Studie hatte laut IPPNW ergeben, dass es im Umfeld deutscher und Schweizer Atomanlagen zu weniger Mädchengeburten kommt. Offenbar sind weibliche Keimanlagen strahlenempfindlicher als männliche.

Höhere Raten bei Leukämie und Schilddrüsenkrebs

Das niedersächsische Sozialministerium hatte Ende November von stark erhöhten Krebsraten in der Samtgemeinde Asse berichtet. So lag die Rate von Leukämieerkrankungen von 2002 bis 2009 doppelt so hoch wie statistisch zu erwarten. Statt der zu erwartenden acht Fälle gab es 18 Erkrankungen. Die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs bei Frauen verdreifachte sich den Angaben zufolge im untersuchten Zeitraum.

Die Bundesregierung hält die Häufung allerdings für Zufall. Die Strahlung in der Umgebung könne die Vielzahl von Krebsfällen nicht erklären, hatte das Bundesumweltministerium am Sonntag mitgeteilt.