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Ältester Atommeiler Obrigheim geht vom Netz

Mit dem Kernkraftwerk Obrigheim geht Anfang Mai das zweite deutsche Atomkraftwerk im Rahmen des Atomkonsenses vom Netz. Es ist der älteste deutsche Meiler und verfügt über eine elektrische Bruttoleistung von 357 Megawatt. Betreiber ist die EnBW. Im November 2003 wurde Stade in Niedersachsen abgeschaltet.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Obrigheim (ddp/sm) - Das Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg ist das älteste Atomkraftwerk Deutschlands. Es ging 1968 in Betrieb. Mit einer elektrischen Bruttoleistung von 357 Megawatt ist es zugleich das kleinste der bundesweit noch 18 betriebenen Kernkraftwerke. Betreiber des KWO ist die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW).

"Mit der abgearbeiteten Reststrommenge von insgesamt 14,2 Milliarden Kilowattstunden geht eine für das Land, die Region und für die Gemeinde Obrigheim prägende Ära zu Ende. Insgesamt wurden in Obrigheim sicher und zuverlässig mehr als 90 Milliarden Kilowattstunden emissionsfreier Strom erzeugt und damit der Umwelt im Vergleich zu einem modernen Braunkohlekraftwerk rund 90 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen erspart", kommentierte Prof. Thomas Hartkopf, Technikvorstand der EnBW. Nach dem Abschalten soll die Anlage in einer zwei Jahre dauernden Nachbetriebsphase auf die Stilllegung vorbereitet werden. "In dieser Zeit sind die im Reaktorzyklus eingesetzten Brennelemente in das Standortzwischenlager zu überführen und die für den Leistungsbetrieb erforderlichen Betriebsstoffe zu entsorgen", beschreibt Hartkopf. Im Anschluss daran erfolgt der Abbau des Kraftwerks, der ab 2021 mit dem möglichen Abriss der Anlage voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein könnte. "Technisch betrachtet müsste das Kernkraftwerk Obrigheim seinen Betrieb nicht einstellen. Wir respektieren jedoch den politisch gewollten und gesetzlich festgeschrieben Ausstieg aus der Kernenergie und erfüllen mit dem Abschalten unseren Teil der Vereinbarung", so Hartkopf weiter.

Im Jahr 2007 wird die Nachbetriebsphase des Kernkraftwerks Obrigheim beendet sein, auf die dann der Abbau der Anlage in drei Phasen erfolgt. "Das von uns entwickelte Konzept sieht durchgängige Arbeitsabläufe bis zum Abschluss des Abbaus im Jahr 2023 vor und berücksichtigt damit die Interessen der Beschäftigten und der Politik gleichermaßen", erläuterte Konrad Schauer, Geschäftsführer des Kernkraftwerks Obrigheim GmbH. Von 2007 bis 2010 soll der Überwachungsbereich, von 2011 bis 2018 der Kontrollbereich und in den Jahren 2019 sowie 2020 die Restsysteme abgebaut werden. "Die durchgängigen Arbeitsphasen des entwickelten Abbauplans bietet vielen der Mitarbeiter des Kraftwerks die Chance auf Beschäftigung bis zum Abschluss des Abbaus in knapp 20 Jahren", so Schauer weiter. Bis zum Ende der Nachbetriebsphase soll die Zahl der Beschäftigten von heute 290 feste Stellen auf etwa 180 bis 160 absinken. Mitarbeitern, die nicht altershalber aus dem Unternehmen ausscheiden, werde ein adäquates Stellenangebot innerhalb der EnBW Kraftwerke AG gemacht.

Um die Erzeugungskapazitäten, die mit dem Abschalten von Kernkraftwerken wegfallen, zu kompensieren, analysiert und bewertet die EnBW derzeit mögliche Standorte und mögliche Energieträger für zwei neue größere Kraftwerksinvestitionen in Baden-Württemberg. Eine Grundsatzentscheidung bezüglich Kraftwerkstypen bzw. Standorte soll zwischen Sommer 2005 und Sommer 2007 getroffen werden. Darüber hinaus hofft die EnBW, dass in diesem Jahr die Erweiterung des Laufwasserkraftwerks Rheinfelden beschlossen werden kann.

Das KWO ist der zweite Atommeiler, der im Rahmen des zwischen Bundesregierung und Industrie ausgehandelten Atomkonsenses aus dem Jahr 2001 endgültig vom Netz geht. Als erstes deutsches Kernkraftwerk wurde im November 2003 das AKW Stade in Niedersachsen abgeschaltet. Der Atomkonsens sieht vor, dass von 2018 an in Deutschland kein Atomkraftwerk mehr am Netz ist. Die Gesamtlaufzeit der Kernkraftwerke wurde auf 32 Jahre im Schnitt beschränkt. Da aber die Gesamtstrommengen maßgeblich sind, können einzelne Kraftwerke auch deutlich früher oder später abgeschaltet werden.