Stromnetz

Abregelung von Windrädern kostet über 100 Millionen

Die Übertragungsnetzbetreiber mussten im vergangenen Jahr deutlich häufiger wegen drohender Netzüberlastungen Windräder abschalten. Die Eingriffe überstiegen dabei erstmals Kosten von 100 Millionen Euro. Die Kosten finden sich letztendlich auf den Stromrechnungen der Verbraucher wieder.

Windräder© toddarbini / iStockphoto.com

Berlin (red) – Die Stromverbraucher in Deutschland haben 2014 so viel für die Zwangsabregelung von Windrädern bezahlt wie noch nie. Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" (Ausgabe 8/2015) übertrafen die Entschädigungen an die Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen erstmals die Grenze von 100 Millionen Euro – nach 43,7 Millionen Euro im Jahr 2013. Allein die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und 50Hertz, in deren Versorgungsgebieten im Norden und Osten des Landes der weitaus größte Teil der deutschen Windkraftleistung installiert ist, zahlten zusammen rund 80 Millionen Euro für nicht ins Netz eingespeisten Strom.

Netzbetreiber verhindern Überlastungen der Stromnetze

Gerade während großer Stürme wie Elon und Niklas wird sehr viel Windstrom produziert, so das größere Eingriffe durch die Netzbetreiber nötig sind. Der Stromüberschuss, der aber auch dadurch zustande kommt, dass beispielsweise die Betreiber fossiler Kraftwerke die Produktion nicht drosseln, könnte das Stromnetz überlasten, weshalb die Netzbetreiber Maßnahmen für den Ausgleich durchführen müssen.

Kosten werden an Stromkunden weitergeben

Nach Unternehmensangaben fielen bei Tennet etwa 55 Millionen Euro an, bei 50Hertz waren es 25 Millionen Euro. Hinzu kommt ein zweistelliger Millionenbetrag bei den Betreibern der örtlichen Verteilnetze, an die die Mehrheit der Erneuerbaren-Anlagen angeschlossen ist, berichtet das Magazin. Bei den betroffenen Anlagen handelt es sich in etwa neun von zehn Fällen um Windräder, die wegen Überlastung der Stromnetze aus dem Wind gedreht werden müssen. Die Entschädigungen für die Eigentümer werden über die Netzentgelte von den Stromkunden bezahlt.

Weitere Ausfallarbeit und Kosten erwartet

Auch für dieses Jahr erwarten die Netzbetreiber eine weitere Zunahme der Eingriffe. Allein für Tennet würden die Kosten voraussichtlich 150 Millionen Euro erreichen, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Urban Keussen, dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Tennet betreibt unter anderem die Strom-Autobahnen in Schleswig-Holstein, wo besonders viele Windparks ins Netz einspeisen. Keussen rechnet damit, dass seine Netzmanager in diesem Jahr voraussichtlich mehr als eine Million Megawattstunden Windstrom abregeln müssen. Auch 50Hertz erwartet in seinem Versorgungsgebiet nach Angaben eines Unternehmenssprechers einen weiteren deutlichen Anstieg der sogenannten Ausfallarbeit und der daraus folgenden Entschädigungszahlungen.

Tennet-Chef: Stromnetz muss weiter ausgebaut werden

Entlastung versprechen sich die Netzbetreiber von den Plänen für den Netzausbau, die Bund und Länder im Zuge der Energiewende beschlossen haben. "Wir brauchen dringend neue Stromverbindungen von Nord nach Süd, um den Windstrom aus Norddeutschland abzutransportieren", sagte Tennet-Chef Keussen. Dabei spiele die SuedLink-Trasse von Schleswig-Holstein nach Bayern eine wichtige Rolle.