Eingeständnis

Ablesekonzern Ista gibt offenbar indirekt Kunden-Abzocke zu

Einem Pressebericht zufolge hat Ista versucht, Investoren mit dem schwachen Wettbewerb im deutschen Markt für Strom- und Wasserverbrauchserfassung zu ködern. Damit habe Ista de facto die kundenfeindliche Marktstruktur eingestanden.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Der Essener Verbrauchskostenableser Ista hat einem Zeitungsbericht zufolge indirekt die wettbewerbsschädlichen Strukturen seiner Branche bestätigt. Wie die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) schreibt, hat der Konzern in einem vertraulichen Papier die oligopolistische Struktur des deutschen Marktes beschrieben, um bei Investoren mit dem schwachen Wettbewerb in der Branche für die Strom- und Wasserverbrauchserfassung zu werben.

Gemeinsam mit seinem Konkurrenten Techem aus Eschborn bei Frankfurt am Main beherrscht Ista dem Blatt zufolge mehr als die Hälfte des deutschen Marktes. Ein Wettbewerb sei damit laut Verbraucherschützern kaum möglich. Das Oligopol trage laut dem Ista-Papier dazu bei, operative Gewinnmargen von "vor Sonderposten über 40 Prozent zu erzielen".

Das Dokument sei "das Eingeständnis einer kundenfeindlichen Marktstruktur", schreibt die Zeitung weiter. Das Papier ist laut dem Bericht für Kaufinteressenten erstellt worden. Es erkläre zudem die enormen Preise, die Finanzinvestoren mittlerweile für die Ablesefirmen bezahlen. Unternehmen wie Techem oder Ista rechnen in Miethäusern Heizkosten ab und erstellen die Rechnungen. Ista sei gerade für 2,4 Milliarden Euro inklusive Schulden vom Investor CVC an den Investor Charterhouse verkauft worden. Um Ista-Konkurrent Techem bemüht sich derzeit der australische Fonds Macquarie.

Das von Ista gemeinsam mit der Deutschen Bank und Goldman Sachs erstellte Papier bringe die Branche der Zeitung zufolge in Erklärungsnot. "Es gibt kein Oligopol", sagt indes ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung. Das Kartellamt sagte der Zeitung, es habe keine Handhabe gegen die vermutete Preistreiberei. Nur bei einer geplanten Fusion könnten die Kartellwächter einschreiten. So untersagte das Bundeskartellamt im Jahr 2002 dem Ista-Konzern, der damals noch Viterra hieß, den Wettbewerber Minol zu übernehmen.