Atomausstieg

Abgeschaltet: Good bye Obrigheim!

Nach den Atomkraftwerken in Mülheim-Kärlich und Stade ist heute Morgen um kurz vor 8 Uhr das dritte Kernkraftwerk in Deutschland endgültig stillgelegt worden. Der Druckwasserreaktor in Obrigheim war 37 Jahre in Betrieb. In der Nachbetriebsphase wird die Anlage bis 2007 auf Stilllegung und Abriss vorbereitet.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Obrigheim (ddp/sm) - Das Atomkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg ist endgültig vom Netz. Wie die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in Karlsruhe mitteilte, wurde die Anlage im Rahmen des 2001 vereinbarten Atomausstiegs heute Morgen um 7.58 Uhr abgeschaltet.

Der Druckwasserreaktor war 37 Jahre in Betrieb und produzierte insgesamt mehr als 90 Milliarden Kilowattstunden Strom. Mit dem Aus von Obrigheim reduziert sich die Anzahl der in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke auf 17.

EnBW-Technikvorstand Thomas Hartkopf betonte, mit der Abschaltung gehe eine "Erfolgsgeschichte" zu Ende. Das Atomkraftwerk habe jährlich knapp 850 000 Haushalte zuverlässig mit Strom versorgt. Technisch und wirtschaftlich betrachtet hätte Obrigheim seinen Betrieb weiterführen können, fügte Hartkopf hinzu. Die EnBW akzeptiere aber den politisch gewollten und gesetzlich vorgeschriebenen Ausstieg aus der Kernenergie.

Obrigheim war 1968 als Demonstrationskraftwerk errichtet worden und galt damals als Wegbereiter für den Ausbau der Kernenergie in Deutschland. Ursprünglich sollte es schon vor gut zwei Jahren noch vor dem AKW Stade in Niedersachsen vom Netz gehen, das im November 2003 heruntergefahren wurde. Durch eine Zusatzvereinbarung wurde es der EnBW jedoch ermöglicht, von ihrem Kernkraftwerk Philippsburg insgesamt 5,5 Terawattstunden Strom auf Obrigheim zu übertragen und damit die Laufzeit zu verlängern.

Dem Energiekonzern zufolge beginnt nun die so genannte Nachbetriebsphase, in der die Anlage bis 2007 auf die Stilllegung und den Abriss vorbereitet werden soll. Dabei seien die im Reaktorzyklus eingesetzten Brennelemente in das Standortzwischenlager zu überführen und die Betriebsstoffe zu entsorgen. Der komplette Rückbau der Anlage soll nach den bisherigen Planungen bis spätestens 2023 abgeschlossen sein und rund eine halbe Milliarde Euro kosten. 160 bis 180 der derzeit noch 290 festen Stellen im AKW bleiben hierfür zunächst erhalten.

Während für die Grünen-Bundesvorsitzenden Reinhard Bütikofer und Claudia Roth die Abschaltung "einen weiteren Schritt auf dem Weg hin zu sozial und ökologisch verantwortbarer Energiegewinnung" bedeutet, sprach sich die Union erneut für eine längere Nutzung der Atomenergie aus. CDU-Umweltexperte plädierte in der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe) dafür, die durchschnittliche Regellaufzeit der Meiler um acht Jahre zu verlängern. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte der "Neuen Presse" in Hannover (Mittwochausgabe), auf die Kernenergie könne in absehbarer Zeit nicht verzichtet werden. Der Neubau von Kernkraftwerken sei dabei allerdings kein Thema.

Auch die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hielt an ihrer Forderung nach längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke fest. Dann gebe es mehr Zeit für die Entwicklung und den Ausbau von erneuerbaren Energien, betonte sie. CSU-Generalsekretär Markus Söder bezeichnete den Atomausstieg als "ökologisch fatal". Die Kernenergie könne nur durch einen massiven Einsatz fossiler Brennstoffe ersetzt werden, gab Söder zu bedenken.

"Der Atomausstieg ist ein wichtiger Teil der rot-grünen Energiewende. Er bedeutet eine Abkehr von einer nicht nachhaltigen und gefährlichen Form der Energieversorgung. Gleichzeitig haben wir die Weichen für den Einstieg in eine sichere, saubere und umweltfreundliche Energieversorgung für die Zukunft gestellt", kommentierte denn auch die Grüne-Energieexpertin Michaele Hustedt. Ihre Kollegin, NRW-Umweltministerin und Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl Bärbel Höhn, sieht in der Stilllegung einen weiteren Schritt in Richtung Energiewende. "Hierfür haben wir Grüne lange Jahre gekämpft." Mit dem Wechsel weg vom Atomstrom werde "konsequent auf die Chancen der neuen Umwelttechnologien" gesetzt.

Von den übrigen deutschen Kernkraftwerken müssen laut Bundesumweltministerium in den nächsten Jahren zunächst die Atomkraftwerke Biblis A und B, Brunsbüttel und Neckarwestheim I vom Netz gehen.