Kein Durchbruch

A.T. Kearney: VV Gas II ist Zwischenschritt zu mehr Markttransparenz

"Der Weg zum Privatkunden bleibt aufgrund des dadurch entstehenden hohen administrativen Aufwands lang und hürdenreich", erläuterte Berthold Hannes, Leiter der zentraleuropäischen Beratergruppe Energiewirtschaft von A.T. Kearney heute in Köln. Für einen funktionierenden Wettbewerb bedürfe es insbesondere einer Clearing-Stelle.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Die überarbeitete Verbändevereinbarung Gas (VV Gas II) reicht nach Meinung der Energieexperten der Unternehmensberatung A.T. Kearney nicht zur Schaffung eines echten Wettbewerbs in allen Kundensegmenten aus. "Die VV Gas II ist ein Zwischenschritt zu mehr Markttransparenz, von klarem Durchblick kann jedoch angesichts der komplexen Regelungen längst nicht die Rede sein", kommentierte Berthold Hannes, Leiter der zentraleuropäischen Beratergruppe Energiewirtschaft von A.T. Kearney heute in Köln.

Kein Durchbruch für Haushaltskunden

Eine wesentliche Schwachstelle sieht Hannes im Punkt-zu-Punkt-Modell für die Berechnung der Netznutzungsentgelte, bei dem der Weg einer Gaslieferung genau über die einzelnen Netze und Netzstufen verfolgt werden muss. Insbesondere für den Wettbewerb auf dem Haushaltskundenmarkt bringe die VV Gas II nicht den entscheidenden Durchbruch, da Lieferanten mit jedem Netzbetreiber einzeln Verträge schließen müssen: "Der Weg zum Privatkunden bleibt aufgrund des dadurch entstehenden hohen administrativen Aufwands lang und hürdenreich", erläuterte Hannes. Auch das Risiko überhöhter Entgelte sieht der Energieexperte durch die VV Gas II noch nicht gebannt, da das Punktesystem und der Kalkulationsfaden für die Netznutzungsentgelte nicht ausreichend konkretisiert worden seien. Hannes kritisierte auch, dass nicht alle Gasspeicher für die kommerzielle Nutzung einbezogen seien.

Clearing-Stelle nötig

Der Energieexperte nannte eine Reihe von Mindestanforderungen, die für ein Funktionieren des Wettbewerbs im deutschen Gasmarkts notwendig und bei einer Neuauflage der Verbändevereinbarung zu berücksichtigen seien. Dazu gehöre insbesondere eine Clearing-Stelle, die auf der Basis einer einheitlichen IT-Plattform und Standards für das Messwesen arbeite. Sie müsse auch das Settlement von Verträgen übernehmen. Wesentliche Schritte für die Zukunft sieht Hannes darüber hinaus im Unbundling des Transport- und des Verteilnetzes, der Verfügbarkeit von Lastkurven und der Schaffung eines verbindlichen Rahmens für die Netznutzungsentgelte.

Dennoch: Schritt in richtige Richtung

Dennoch wertet Hannes die VV Gas II mit der Reduktion der abzurechnenden Netzstufen von drei auf zwei und der Anwendung des Vergleichsmarktprinzips bei der Kalkulation der Netznutzungsentgelte als Schritt in die richtige Richtung. "Durch die VV Gas II wurde ein nationaler Regulator für den Gasmarkt verhindert, der einen großen Verlust an Effizienz bei der Marktentwicklung bedeutet hätte." Die großen Gewinner der VV Gas II werden aus seiner Sicht die deutschen Stadtwerke und Regionalgasunternehmen sein: "Sie haben kaum Wettbewerb um ihre Hauptkunden – die kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und die Haushaltskunden – zu fürchten."

Einstieg von ausländischen Unternehmen

Hannes geht davon aus, dass es erst durch den Einstieg ausländischer Wettbewerber in den deutschen Gasmarkt zu einem funktionierenden Gas-zu-Gas-Wettbewerb kommen wird. "Marktvolumen und -wachstum sowie Preisniveau machen den deutschen Gasmarkt für ausländische Unternehmen interessant, die – wie Gaz de France und die italienische ENI – expandieren möchten oder darauf abzielen, den drohenden Verlust von Marktanteilen im angestammten Markt zu kompensieren, wie z.B. die niederländische Gasunie." Der direkte Endkundenzugang der Importeure werde vor allem zu Lasten der Ferngasgesellschaften gehen, die zudem in Zukunft mit sinkenden Margen durch steigenden Kostendruck im Netzbereich zu kämpfen hätten. "Mittelfristig werden dann aber auch die Regionalverteiler und Stadtwerke unter Druck geraten, weil ihnen die kritische Masse für die Sicherung ihres Kundenbestands und die regionale Ausweitung des Geschäfts fehlt", führte Hannes aus. Sie müssten sich daher entweder einen starken Partner suchen oder durch Fusionen kritische Masse aufbauen.

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