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900 Einwendungen gegen Zwischenlager Obrigheim eingegangen

Bis Montag hatte der Antrag auf Errichtung eines Zwischenlagers zur Aufbewahrung abgebrannter Brennelemente am Standort des AKW Obrigheim öffentlich ausgelegen. Über die bis dahin eingegangenen Einwendungen berichtet jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Salzgitter (red) - "Etwa 900 Personen haben gegen das Zwischenlager fristgerecht Einwendungen vorgebracht", sagte ein BfS-Sprecher. Die meisten seien dem BfS in Form von Unterschriftenlisten zugegangen. Außerdem hätten 18 Personen Einzeleinwendungen erhoben.

Die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger befassen sich der Behörde zufolge unter anderem mit der erforderlichen Vorsorge gegen Schäden (z.B. Brände, Erdbeben, Hochwasser) und dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Außerdem geht es um die Langzeitsicherheit der Castor-Behälter, etwa bei gezielt herbeigeführten Abstürzen von großen Passagiermaschinen oder bei terroristischer Bedrohung.

Alle Einwendungen werden jetzt vom BfS erfasst, dokumentiert und nach inhaltlichen Schwerpunkten geordnet. Bei dem für Oktober 2008 geplanten Erörterungstermin können die schriftlich erhobenen Einwendungen mündlich erläutert und inhaltlich vertieft werden. Ort und Zeitplan des Erörterungstermins sollen einen Monat vorher in der regionalen Presse, im Bundesanzeiger und auf der Internetseite des BfS bekannt gegeben werden.

Die EnBW Kernkraft GmbH hat die Lagerung von insgesamt 342 bestrahlten Brennelementen in insgesamt 15 Transportbehältern der Behälterbauart Castor 440/84 beantragt. Diese sollen in einer Lagerhalle aus Stahlbeton gelagert werden, die 35 Meter lang, 18 Meter breit und 17 Meter hoch ist. Die Außenwände der beantragten Halle sollen etwa 85 Zentimeter dick sein, die Dicke des Betondaches solle etwa 55 Zentimeter betragen. Damit entspricht das beantragte Zwischenlager anderen bereits genehmigten dezentralen Zwischenlagern an den Standorten süddeutscher Kernkraftwerke. Das ursprünglich beantragte Zwischenlagerkonzept, das die Aufbewahrung der Behälter liegend unter einzelnen Betonumhausungen vorsah, hatte die Betreiberin zurückgezogen, nachdem das BfS und die Reaktorsicherheitskommission grundlegende sicherheitstechnische Bedenken geäußert hatten.

Das geplante Zwischenlager soll abgebrannte Brennelemente so lange sicher aufnehmen, bis sie in ein Endlager in tiefen geologischen Schichten verbracht werden können. In Verbindung mit der direkten Endlagerung sollen dezentrale Zwischenlager helfen, die mit der Wiederaufarbeitung verbundenen Gefahren und radioaktiven Belastungen der Umgebung sowie Transporte zu zentralen Zwischenlagern zu vermeiden.