Standpunkt

8KU: Längere Laufzeiten haben nur Fotofinish-Effekt

Die von den Befürwortern vielfach beschworenen volkswirtschaftlichen Vorteile einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke halten einer Überprüfung nicht stand, resümiert der 8KU-Verband seine erste Bewertung des am Montag vorgelegten Energie-Gutachtens. Der Effekt sei vergleichbar mit einem Fotofinish.

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Berlin (red) - Laut Albert Filbert, Koordinator 2010 des Stadtwerke-Verbands 8KU, beträgt das maximale zusätzliche Wirtschaftswachstum, das eine Laufzeitverlängerung der Kernenergie erbringt, weniger als ein Prozent - aber nicht jährlich, sondern verteilt auf 40 Jahre: "Ganz gleich, ob man die Szenarien mit den realen Zahlen des Jahres 2009 vergleicht oder ob man die Entwicklung innerhalb der Konjunkturprognosen der Gutachter anschaut: Zu mehr als einem Fotofinish reicht der Vorsprung einer Laufzeitverlängerung gegenüber dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie nicht. Die Konjunkturprognosen schwanken in Deutschland innerhalb eines einzigen Jahres stärker als der Maximalvorteil der Kernenergie über mehr als eine Generation."

Die 8KU verwiesen ferner darauf, dass eine Laufzeitverlängerung auch in Bezug auf weitere zentrale Ziele der Energie und Klimapolitik keine Impulse setze. Die verschiedenen Szenarien belegten, dass der Dauer der zusätzlichen Laufzeiten für die resultierenden CO2-Minderungen und Energieeinsparungen nur eine marginale Rolle zukomme. Sehr viel stärker wirkten sich konkrete Maßnahmen und Programme zur Steigerung von Energieeffizienz, insbesondere in der Wärmedämmung von Häusern und Wohnungen aus, deren Wirkung aber unter Beibehaltung der Laufzeitbegrenzung in den Szenarien gar nicht erst in Betracht gezogen wurde.

Vollständig unbeachtet bleibe in den Szenarien die Bedeutung des Wettbewerbs für die volkswirtschaftliche Zielerreichung. So setze die Studie einen funktionierenden Erzeugerwettbewerb als Grundannahme nur voraus. Aber laut Bundeskartellamt und Monopolkommission gibt es den derzeit in Deutschland noch gar nicht. Auch werde mit keinem Wort der volkswirtschaftliche Nutzen einer modernen und innovationsorientierten Klima und Energiepolitik herausgestellt. Ein Energiekonzept für die Zukunft, so die 8KU, brauche mehr als "vages Raunen über angebliche Vorteile einer einzelnen Erzeugungstechnologie, die einer näheren Betrachtung gar nicht standhielten".