Großeinsatz

19.000 Polizisten sollen die Castoren schützen

Der Countdown läuft: Für den vorerst letzten Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben am 24. November rüsten sich alle Beteiligten. Die Atomkraftgegner proben den Protest und kündigen "breiten Widerstand" an, die Beamten planen den äußerst unbeliebten Großeinsatz mit rund 19.000 Polizisten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (dapd/red) - Noch bevor der nächste Castor-Transport auf die Reise geht, haben am Mittwoch Atomkraftgegner den Widerstand geprobt. Mit einer Castor-Attrappe auf einem Tieflader protestierten sie am Mittwoch in Hannover gegen den bevorstehenden Atommülltransport nach Gorleben. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Opernplatz errichteten die Castor-Gegner ein zehn Meter hohes aufblasbares X und sammelten Unterschriften gegen ein Endlager in Gorleben.

Unterdessen rüsten sich Polizei wie Atomkraftgegner für den 26. November - für einen Großeinsatz die Beamten und vielfältigen Protest beim Castor Transport in das Zwischenlager Gorleben die Demonstranten. Die Einsatzleiter der Polizei kündigten am Mittwoch in Hannover an, dass der kommende Woche erwartete Transport von rund 19.000 Polizeibeamten geschützt werde. Die Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg erklärte, zur Großdemonstration an diesem Tag in Dannenberg hätten Atomkraftgegner bundesweit bereits mehr als 170 Busse gechartert.

Keine Gewalt gegen Personen

In der Region um Gorleben werde es "breiten Widerstand aller Altersgruppen und sozialen Schichten geben", sagte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek. Das Spektrum werde von Stuhlblockaden von Senioren, über "Landmaschinenschauen" von Bauern und Laternenumzüge mit Kindern bis hin zur Großdemonstration mit mehreren 10.000 Teilnehmern reichen. Rudek erteilt Gewalt gegen Personen eine Absage: "Es gibt viele verschiedene Protestformen. Dabei ist nie ein Mensch gefährdet worden und das wird auch in Zukunft so sein", sagte sie.

Nach Angaben der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" werden sich zahlreiche Bauern mit Traktoren an der Großdemonstration beteiligen. 2010 habe die Polizei 600 demonstrierende Bauern gezählt. "Wir rechnen diesmal nicht mit weniger demonstrierenden Treckern", sagte Carsten Niemann für die Notgemeinschaft. Über eventuelle Treckerblockaden würden seine Berufskollegen selbstständig entscheiden. Niemann kritisierte, dass durch den Castor-Transport und die weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben weitere Fakten für ein atomares Endlager geschaffen würden.

Wenige Extremisten, "eventorientierte Demonstranten"

Polizeieinsatzleiter Friedrich Niehörster warf der BI vor, sie habe sich "nicht wirklich von Gewaltaktionen distanziert". Überwiegend seien die Protestierenden zwar friedlich, planten Demonstrationen und Sitzblockaden. "Aber irgendwo ganz hinten haben wir eine Spinne im Netz, die etwas völlig anderes will", warnte er. So sei das "Schottern", dass Entfernen von Schottersteinen aus Bahngleisen, eine Straftat. Beim "Schottern", bei Sabotage oder gewaltgeneigten Aktionen werde die Polizei nicht mehr mitgehen und anders reagieren.

Insgesamt erwarte man gegen Castor-Transport etwas weniger Aktivitäten als im vergangenem Jahr, in dem zwischen 25.000 und 50.000 Menschen demonstriert hätten, sagte Niehörster weiter. Das Potenzial an Extremisten unter den Demonstranten werde "vielleicht bei 300" liegen. Hinzu kämen noch "eventorientierte Demonstranten", die zu zahlreichen Aktionen bereit seien.

Einsatz ist bei den Polizisten vielfach unbeliebt

Die Zahl der Polizeibeamten aus den Bundesländern, die den Transport schützen sollen, bezifferte Niehörster mit 11.000. Der Einsatzleiter Bundespolizei, Thomas Osterroth, sagte, bei der Begleitung des Bahntransportes von der deutsch-französischen Grenze bis nach Dannenberg seien 2010 über 8.000 weitere Beamte eingesetzt worden. Auch dieses Jahr würden Beamte der Bundespolizei "in ähnlicher Größenordnung zur Verfügung stehen". Die Polizeigewerkschaft hatte vielfach betont, wie unbeliebt der Einsatz auf Seiten der Beamten sei. Osterroth warnte vor gefährlichen Aktionen an schnell befahrenen Fernstrecken der Bahn.