Begonnen

12. Weltklimakonferenz eröffnet

Am Montag begann in Nairobi die 12. Weltklimakonferenz. Bis zum 17. November werden Klimaexperten und Politiker aus aller Welt über die Auswirkungen des globalen Klimawandels und die Fortführung des Kyoto-Protokolls diskutieren. Die Konferenz findet zum ersten Mal in einem Land südlich der Sahara statt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin/Mainz (red) - Zum Auftakt der Konferenz erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit Verweis auf den Bericht des britischen Ökonomen Stern, dass der Kampf gegen den Klimawandel mit wirtschaftlichem Wachstum verbunden sei. Gabriel: "In den kommenden zehn bis 15 Jahren müs­sen wir eine Trendumkehr bei den Emissionen erreichen, um den globalen Temperatur­anstieg auf zwei Grad zu begrenzen und zugleich mit den Folgen des unabwendbaren Klima­wandels umzugehen."

Der Umweltminister fordert: "Bis 2009 muss sich die Staatengemeinschaft auf Nachfolgeregelungen auf der Basis des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 geeinigt haben, das alle wesentlichen Emittenten angemessen einbezieht. Bis 2007 wollen wir uns auf ein Verhandlungsmandat einigen. Dafür müssen wir in Nairobi das Fundament legen. Dieses Verhandlungsmandat muss attraktive Elemente für alle Staaten enthalten, um sie zur Teilnahme an einem künftigen Klimaschutzregime zu bewegen. Zugleich muss es den Rahmen beschreiben, in dem sich die Beiträge der Staaten bewegen müssen. Historische Verantwortung, Entwicklungsstand, Pro-Kopf-Emissionen und Möglichkeiten zur Minde­rung von Emissionen sind Kriterien, anhand derer die Beiträge einzelner Staaten differen­ziert werden können."

"Der Klimawandel birgt katastrophale Folgen, die unsere Welt verändern werden", sagte der Europäische Umwelt- und Verbraucherschutzkommissar Stavros Dimas. "Die Entwicklungsländer werden wahrscheinlich am härtesten betroffen sein und sie werden sich am schwersten damit tun, mit dem Klimawandel umzugehen." Dimas appellierte an die Konferenzteilnehmer, es ärmeren Ländern zu erleichtern, sich an ein verändertes Klima anzupassen.

Zu diesem Zwecke will die EU in Nairobi die endgültige Zustimmung zu einem Fünfjahres-Programm erreichen. Eine Einigung strebt sie auch für einen neuen Fonds (Adaptation Fund) an, der entsprechende Adaptionsprojekte zwischen 2008 und 2012 mit etwa 350 Millionen Euro unterstützen will. Schließlich soll die Konferenz in Nairobi auch dazu führen, dass Emissionsprojekte im Rahmen des Clean Developement Mechanism des Kyoto Protokolls weltweit gleichmäßiger verteilt werden.

Der entwicklungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck, betonte die Einbeziehung der Naturwaldflächen in den Emissionshandel. Dadurch könnte dafür gesorgt werden, dass die gewaltigen Naturwälder als zentrale Klimastabilisatoren erhalten bleiben. Die internationale und deutsche Entwicklungszusammenarbeit forderte er auf, durch die Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Entwicklungsländer die Auswirkungen der jetzigen Klimafolgen abzumildern, gleichzeitig aber auch die Einführung klimaschonender Technologien zu unterstützen.

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Hartmut Graßl, warnte vor einer zunehmenden Gefährdung der biologischen Vielfalt. "Wir graben uns von zwei Seiten die Lebensgrundlage ab", sagte Graßl am Montag im "ZDF-Mittagsmagazin". Ursache sei nicht allein der Klimawandel, sondern auch die Zerstörung der Lebensräume für viele Tiere. "Wir wissen, dass wir von der biologischen Vielfalt abhängen. Je mehr wir davon haben, desto stabiler sind die Ökosysteme."

Es sei völlig falsch zu behaupten, das derzeitige Aussterben von Arten sei ein erdgeschichtlicher Prozess. "Erdgeschichtlich dauert es Millionen Jahre bis viele Arten aussterben und wieder hinzukommen. Was wir jetzt aber diskutieren, ist ein Sterben von Arten in ein Jahrhundert gepackt."

Nach Ansicht von Professor Graßl gebe es viele Ansätze die Entwicklung zu stoppen. Aber es sei schwierig, etwas zu ändern, denn "man muss dann Machtpositionen ändern", so Graßl. Solange "ein Chinese ein Fünftel von dem emittiert, was ein Deutscher emittiert, muss der Deutsche oder vor allem der Amerikaner zeigen, was er reduzieren kann". Deshalb sei die aktuelle Debatte bei der Weltklimakonferenz in Nairobi sicherlich richtig auf die hochentwickelten Länder zentriert, führte Professor Graßl aus.

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