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Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel: Was ist wirklich öko?

Pannen in Atomkraftwerken sowie das Thema Klimawandel veranlassen immer mehr Verbraucher dazu, Ökostrom zu beziehen. Ökostrom-Tarife gibt es viele, doch wer wirklich zum Umweltschutz beitragen möchte, sollte genau hinschauen, für welchen er sich entscheidet. Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel sollen hier für Durchblick sorgen.

Mit dem Wechsel zu Ökostrom trägt man zum Klimaschutz bei und sorgt dafür, dass die Ökostrom-Produktion in Deutschland weiter steigt – sollte man meinen. Doch bei Ökostrom gibt es große Unterschiede, was den Umweltnutzen angeht. Mehrere Ökostrom Zertifikate und Ökostrom Siegel sollen Durchblick verschaffen, sorgen aber bei vielen Verbrauchern für Verwirrung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was es mit Ökostrom Zertifikaten auf sich hat und warum diese für den Umweltnutzen von Ökostrom so wichtig sind.

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Warum Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel wichtig sind

Bekannte Ökostrom-Anbieter in Deutschland

Viele Stromversorger bieten neben Ihren herkömmlichen Tarifen auch Ökostrom an. Umweltschützer sehen diese Angebote jedoch nicht gerne, denn wohl jeder Stromanbieter bezieht einen Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien. So verkaufen einige Anbieter den Ökostrom, den Sie ohnehin beziehen, mit einem anderen Tarif und kassieren dafür mehr Geld, ohne dadurch weiter den Ausbau erneuerbar Energien voranzutreiben. Dieser Ökostrom fehlt dann aber im Strommix der Standard-Stromtarife. Somit verdient der Stromanbieter mehr Geld, produziert aber nicht mehr Ökostrom als vorher.

Ein Beispiel: Ein Stromanbieter bezieht zehn Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, den Rest aus Kohle- und Atomkraftwerken. Wenn mehrere Kunden in den Ökostrom-Tarif wechseln, besteht deren Strommix zwar statistisch gesehen aus 100 Prozent Ökostrom. Die übrigen Kunden erhalten aber beispielsweise nur noch 5 Prozent Ökostrom, womit sich der Gesamt-Strommix des Unternehmens nicht verändert. Aus diesem Grund wurden einige Ökostrom Zertifikate eingeführt, die zeigen sollen, welche Tarife wirklich zum Umweltschutz beitragen.

Erneuerbare Energien Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel zeigen, wie grün Ökostrom wirklich ist (Foto / Abb.: photlook / Fotolia.com) RECS

Was es mit Ökostrom Zertifikaten auf sich hat

Das bekannteste Ökostrom Zertifikat ist das "Renewable Energy Certificates System" – kurz RECS. Das funktioniert so: Ein Betreiber einer RECS-zertifizierten Anlage – beispielsweise eines Wasserkraftwerkes – erhält für jede erzeugte kWh Strom RECS-Zertifikate und kann diese unabhängig vom Strom verkaufen. Der Betreiber der Anlage darf seinen Strom jedoch nicht mehr als "öko", sondern nur als normalen Strom verkaufen. Ein Stromanbieter, der selbst keinen Ökostrom erzeugt, kann mit diesen Zertifikaten dennoch Ökostrom anbieten.

Dies ist auch der Grund, weshalb RECS-Zertifikate von Umweltschützern kritisiert werden: Ein Stromanbieter kann so nämlich billigen Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken einkaufen. Indem er dazu jedoch RECS-Zertifikate erwirbt, kann er diesen Strom als Ökostrom anbieten. So bekommt nach Ansicht von Umweltschützern der dreckige Strom nur ein neues, grünes Etikett. Dem Umweltschutz ist damit aber nicht geholfen. Denn was nützt es der Umwelt, wenn Ökostrom aus norwegischen Wasserkraftwerken auf dem Papier in Deutschland verkauft wird, während zur Deckung des tatsächlichen Strombedarfs im Lande Kohle- und Atomkraftwerke laufen müssen?

Ökostrom Gütesiegel besser als Ökostrom Zertifikate

Wer also mit dem Bezug von Ökostrom zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen möchte, sollte sich nicht auf Ökostrom Zertifikate verlassen, sondern sich nach einem Tarif mit einem sogenannten Gütesiegel umschauen. Als führend gelten das TÜV-Zertifikat und die Siegel "Grüner Strom Label" und "ok-power".

TÜV

Die meisten Ökostrom-Tarife mit Gütesiegel wurden vom TÜV zertifiziert. Hier gibt es jedoch durchaus Unterschiede: Der TÜV Nord zertifiziert hier nach einer einheitlichen Basisrichtlinie, während der TÜV Süd vier verschiedene Kriterienkataloge bietet.

Im Rahmen des TÜV Nord Zertifikates ist es erlaubt, dass 50 Prozent des Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) kommen dürfen. Diese arbeiten zwar sehr umweltfreundlich, denn Sie nutzen die Wärme, die bei der Stromherstellung entsteht, zum Heizen (beispielsweise für Fabriken oder Fernwärme). Doch werden diese Kraftwerke mit Kohle oder Gas betrieben.

Nach Angaben des TÜV Nord ist ein wesentliches Ziel des TÜV Zertifikates, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Der Stromanbieter müsse daher dieses Aspekt in seine Geschäftspolitik einbeziehen und seine Kunden regelmäßig über Fördermaßnahmen informieren. Genaue Vorgaben zum Ausbau erneuerbarer Energien macht der TÜV allerdings nicht. Vorgeschrieben ist allerdings, dass Preisaufschläge auf das Ökostromprodukt gegenüber dem vergleichbaren Standardtarif dem Bau neuer regenerativen Anlagen zugute kommen.

TÜV Süd

Auch bei zwei der Ökostrom-Zertifikate des TÜV Süd ist es erlaubt, dass 50 Prozent des Stroms aus KWK kommen darf. Die Zertifizierungen im Detail:

EE01
  • Strom zu aus 100% Erneuerbaren
  • Davon mindestens 25% aus neuen Kraftwerken
EE02
  • Strom zu aus 100% Wasserkraft
  • Zeitgleichheit zwischen Erzeugung und Verbrauch im Viertelstunden-Raster
UE01
  • Strom zu mind. 50% aus Erneuerbaren, Rest aus KWK
  • Zeitgleichheit zwischen Erzeugung und Verbrauch im Viertelstunden-Raster
  • Mindestens 25% des Erneuerbare Energien-Stroms aus neuen Kraftwerken
UE02
  • Strom zu mindestens 50% aus Erneuerbaren, Rest aus KWK

Bei allen vier Varianten gilt auch hier, dass Preisaufschläge für Ökostrom dem Aufbau erneuerbarer Energien dienen müssen.

ok-power Label

Strenger als die TÜV Zertifikate ist ok-power Label. Hierbei wird großer Wert auf einen "zusätzlichen Umweltnutzen" gelegt. Das bedeutet, dass durch den Ökostrom-Bezug neue Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien gebaut werden, und zwar solche, die nicht ohnehin durch staatliche Fördermaßnahmen gebaut würden. Unterschieden wird hier das "Händlermodell" und das "Fondsmodell".

  • Bei dem Händlermodell darf der Strom auch aus KWK-Anlagen kommen, die jedoch ein bestimmtes Alter nicht überschritten haben dürfen, um einen Anreiz zum Bau neuer Anlagen zu schaffen. Zudem müssen die Anlagen außerhalb der staatlichen EEG-Förderung entstanden sein.
  • Beim Fondsmodell zahlt der Kunde einen Aufpreis auf den "normalen Strompreis", beispielsweise 1 Cent pro kWh. Dieser Aufpreis wird dann in den Bau neuer Anlagen investiert.
Grüner Strom Label

Das Grüner Strom Label (GSL) gilt als das strengste Ökostrom-Gütesiegel. Das am weitesten verbreitete "Gold"-Label erlaubt ausschließlich Erneuerbare Energiequellen oder KWK-Anlagen ohne fossile Brennstoffe als Energiequellen.

Das zentrale Kriterium ist hierbei, dass der Stromanbieter einen Teil der Einnahmen in den Ausbau neuer Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung investiert. Damit sorgt der Ökostrom-Kunde dafür, dass der Ausbau erneuerbarer Energien wirklich vorangetrieben wird.

Bisher seien im Rahmen der GSL-Zertifizierung 650 neue Anlagen erbaut worden. Hier ist zudem auch die allgemeine Haltung des Stromanbieters gegenüber erneuerbaren Energien entscheidend. Auf der Website des GSL können Verbraucher auf einer Deutschlandkarte sehen, wo die GSL-Zertifizierten Stromanbieter bereits neue Anlagen installiert haben.

Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel im Ökostrom-Rechner

In unserem Ökostrom-Rechner sehen Sie sowohl in der Übersicht als auch bei den Details eines Stromtarifes, ob und welche Ökostrom Zertifikate oder Gütesiegel ein Stromtarif trägt. Mit unserem Ökostrom Vergleich finden Sie schnell und einfach heraus, welche Stromanbieter in Ihrer Region Ökostrom anbieten und was der Ökostrom kostet. Zu vielen Stromanbietern können Sie direkt online wechseln.

Kennen Sie schon den Gasanbieter goldgas, der übrigens auch einen Ökogas-Tarif anbietet?
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