Wasserverbrauch theoretisch: Ist sparen immer richtig?

Kosten für Wasser und Abwasser summieren sich, viele versuchen Wasser einzusparen. Das schont den Geldbeutel und ist gelebter Umweltschutz – oder? Über das Für und Wider des Wassersparens, den indirekten Wasserverbrauch und was man tun kann.

Wasser ist das Lebenselixier der Erde schlechthin. Ohne Wasser wäre kein Leben möglich. Wir in Deutschland haben das Glück, in einer vergleichsweise wasserreichen Gegend zu leben und eine gute Trinkwasserqualität zu haben. Fürs Kochen, die Körperpflege, Putzen, Wäsche waschen und nicht zuletzt Trinken verbrauchen wir täglich durchschnittlich 121 Liter Trinkwasser. Das ist der direkte Wasserverbrauch. In den letzten Jahren ging dieser Trinkwasserverbrauch stetig zurück.

Pro Kopf rechnet man jedoch zusätzlich mit einem indirekten Wasserverbrauch. Damit ist Wasser gemeint, welches beispielsweise für die Produktion unserer Lebensmittel oder Konsumgüter benötigt wird. Rechnet man diesen Wasserverbrauch mit, landet jeder Deutsche bei 4.000 bis 5.000 Litern Wasser pro Tag. Beispielsweise stecken in einer durchschnittlichen Tomate etwa 13 Liter Wasser, in einem Blatt Papier 10 Liter und in einem Kilogramm Fleisch satte 16.000 Liter.

Dieses "virtuelle" Wasser stammt dabei meist nicht aus Deutschland, sondern aus dem Ausland, unter anderem auch aus wasserarmen Gegenden.

Wasserverbrauch reduzieren – ja oder nein?

Wir in Deutschland gehen vergleichsweise sparsam mit dem nassen Gut um, so wird unser Geldbeutel entlastet und wir haben ein gutes Gewissen. Ressourcen schonen ist doch immer gut, oder?

Es gibt Theorien, die besagen, dass unser zurückgehender Wasserverbrauch die Preise steigen lässt. Das liegt daran, dass Kanalisation, Kläranlagen und andere Einrichtungen meist aus den 70er Jahren stammen. Hier stieg der Wasserverbrauch noch kontinuierlich an und die Wasserinfrastruktur ist entsprechend groß dimensioniert.

Durch den heute geringeren Wasserverbrauch ergibt sich nun das Problem, dass Frischwasser manchmal zu lange in der Leitung steht, Keime ausbildet und die Leitungsrohre angreift. In der Kanalisation lagert sich Faulschlamm durch den fehlenden Wasserfluss ab und die Kanäle müssen daher regelmäßig mit frischem Trinkwasser durchgespült werden. Diese Kosten werden natürlich auf den Kunden umgelegt.

Wassersparen trotzdem erwünscht

Nur weil die Infrastruktur für den Wassertransport zu groß dimensioniert ist, sollten wir nun nicht beginnen, Wasser wieder beim Zähneputzen laufen zu lassen und jedes Kleidungsstück einzeln in der Waschmaschine zu waschen. Wasser ist und bleibt ein kostbares Gut und man sollte vielmehr überlegen, wie wir Wasser in Deutschland so nutzen können, dass wasserarme Gegenden entlastet werden. Lange Wasserpipelines für eine Umverteilung fallen dabei aus: Der Weg des Wasser wäre zu lang, zu viele Keime und zu viel Schmutz würde sich ansammeln.

Konkrete Tipps für einen niedrigen Wasserverbrauch

Viele Wasserspartipps haben wir schon in den Kinderschuhen gelernt: Wasserhahn nur dann auf, wenn wir das Wasser benötigen und auch nicht auf vollen Strahl stellen. Das betrifft vor allen Dingen das Händewaschen, Zähneputzen und Duschen. Apropos duschen: Duschen ist viel sparsamer als baden, aber natürlich nur, wenn man nicht ewig unter laufendem Wasser steht. Auch hat sich beim WC mittlerweile einen Stopp-Taste durchgesetzt. Hilfreich sind außerdem Wassersparköpfe, die den Wasserdurchfluss verringern.

Indirekten Wasserverbrauch im Ausland zurückfahren

Viel wichtiger wäre es, unseren indirekten Wasserverbrauch zu reduzieren. Viele Artikel, egal ob Jeans, Spielzeug, Obst, Getreide oder Fleisch, stammen aus dem Ausland. In vielen dieser Länder ist Trinkwasser oft knapp und wird vielerorts in Fabriken verbraucht anstatt den dort lebenden Menschen zur Verfügung gestellt.

Ganz einfach lässt sich dieses Problem nicht lösen, hilfreich kann aber der Versuch sein, den virtuellen Wasserverbrauch zu senken und primär heimische Produkte zu kaufen. Das würde nicht nur den Wasserhaushalt wasserarmer Länder entlasten, sondern auch zu einer weltweit besseren CO2-Bilanz beitragen, da die Transportwege der Produkte nicht so lang sind.

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