Biogas erkennen: Nur wenige Zertifikate verfügbar

Biogas und Ökogas: Beides klingt gut, muss aber nicht unbedingt das Gleiche sein. Wir geben einen Überblick zu den Begrifflichkeiten und stellen ein Zertifikat vor, das Biogas auszeichnet und so mehr Transparenz für den Verbraucher schafft.

Wenn sich organische Stoffe in feuchter Umgebung unter Luftabschluss mikrobiologisch zersetzen, entsteht Biogas. Derartige Fäulnis- und Gärungsprozesse finden beispielsweise in Mooren und Sümpfen statt. In Biogasanlagen werden solche natürlichen Zersetzungsprozesse künstlich nachgebildet. Unter Ausschluss von Sauerstoff wird organische Biomasse mithilfe von Mikroorganismen systematisch zersetzt und Biogas produziert. Zu den dafür verwendeten Ausgangsstoffen zählen Reststoffe wie Bioabfall (z.B. Gülle und Mist), Speisereste oder Klärschlamm. Alternativ werden für die Produktion von Biogas ungenutzte Pflanzen (bzw. Pflanzenteile) oder eigens für die Energiegewinnung angebaute Pflanzen verwendet. Das gewonnene Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, dessen Zusammensetzung abhängig von den genutzten Ausgangsstoffen variiert.

Biogas als Energiequelle

Für die Energiegewinnung ist der Anteil an Methan im Biogas entscheidend, weil dieses Gas – ebenso wie im Erdgas – der Hauptenergieträger ist. Biogas hat durchschnittlich einen Methangehalt zwischen 50 und 75 Prozent. Beim Verbrennen von einem Kubikmeter Biogas mit einem Methananteil von 60 Prozent können etwa sechs Kilowattstunden elektrische Energie gewonnen werden. Nach Aussagen des Fachverbandes Biogas ist die Verstromung von Biogas nahezu klimaneutral. Eine Studie des Instituts für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie zeigte: Der größte Anteil des produzierten Biogases wird in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung verwertet, die Strom produzieren und zugleich die entstehende Abwärme nutzen. Biogas kann jedoch auch in öffentliche Gasversorgungsnetze eingespeist oder als Kraftstoff für Fahrzeuge genutzt werden.

Begriffsklärung: Was versteht man unter Biogas-Tarifen?

Unter dem Begriff Biogas (auch Öko-Gas, Gold-Gas us.w.) bieten Energieunternehmen ihren Kunden zum Teil diverse Produkte an. Zur Begriffsklärung: Es gibt einige Gastarife, bei denen die Energieversorger weiterhin ausschließlich herkömmliches Erdgas liefern. In diesen Fällen wird der Mehrpreis genutzt, um Klimaschutzprojekte zu unterstützen oder Ausgleichzertifikate für die Kohlendioxid-Emission zu erwerben. Diese Tarife werden Klimatarife genannt.

Erhalten Energiekunden tatsächlich Biogas, variiert dessen Anteil an der gelieferten Gasmenge von 5 Prozent bis zu 100 Prozent. Tarife mit einem geringen Biogas-Anteil sind bisher stark überwiegend vertreten. Biogas-Anbieter, die 100 Prozent Biogas liefern und das auch noch deutschlandweit sind eher selten. Beispiele dafür wären die Anbieter Naturstrom oder Lichtblick. Unser Tarifrechner liefert hierzu einen Überblick. Zertifikate, Label oder Siegel für Biogas sind rar. Umweltbewusste Verbraucher, die den Anbau von Monokulturen nicht unterstützen wollen, können das Biogasregister der Deutschen Energieagentur (dena) nutzen. Noch einfacher ist es, sich am Siegel "Grünes Gas" zu orientieren.

Grünes Gas-Label: Zertifikat bürgt für Transparenz

Ein Verbund aus Umwelt- und Verbraucherverbände rief 2013 das Siegel "Grünes Gas-Label" ins Leben. Naturschützer, Landwirtschaftsexperten, Wissenschaftler und Fachleute der Energie- und Abfallwirtschaft entwickelten einen Kriterienkatalog, der es ermöglicht, Biogasprodukte hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit zu bewerten. In die Bewertung nach einem Punktesystem fließen Aspekte wie Düngung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Gentechnik sowie die Länge der Transportwege ein. Alle Informationen zum Siegel sind für Verbraucher nachvollziehbar.

Hinter dem Gütesiegel für Biogas stehen neben Umweltverbänden wie dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Deutschen Naturschutzring (DNR) auch die Verbraucher Initiative e.V., EUROSOLAR, der Verein Internationale Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) und die Naturwissenschaftler für den Frieden. Vergeben wird das Siegel vom Verein Grüner Strom Label e.V., der regelmäßig überprüft, ob mit dem Gütesiegel zertifizierte Unternehmen, die Kriterien weiterhin einhalten.