Gas-News
Zu teuerEin umwelttechnisches Vorzeigeprojekt in Freiburg ist der Energiewende zum Opfer gefallen. Die Gasturbine der Wärmeverbundkraftwerk GmbH zur umweltschonenden Stromerzeugung steht seit 1. April still. Der Grund: Der Rohstoff Erdgas ist zu teuer, regenerative Energien verderben die Preise.
Freiburg (dapd/red) - Das Gemeinschaftsunternehmen des Energieversorgers Badenova, des Unternehmens Rhodia Acetow und der Erdgas-Beteiligungsgesellschaft Süd war eigentlich dazu ausgelegt, den Energiebedarf von Rhodia und bis zu 40 Prozent des Strombedarfs der Stadt Freiburg mit über 220.000 Einwohnern zu decken.
Für Badenova-Sprecher Roland Weis ist der Zustand paradox. "Das veredelte Produkt Strom ist auf den Märkten billiger als das Einspeiseprodukt", sagt er. "Das Gas, was wir reinpusten müssten, ist teurer als der Preis, den man hinterher für den Strom bekommt." Mit jeder erzeugten Kilowattstunde entstünde dem Unternehmen derzeit ein Minus - ein Zustand, der betriebswirtschaftlich nicht zumutbar sei. Deshalb hat die Turbine Pause.
Bei einem sechsmonatigen Stillstand im Sommer, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, fehlt dem Unternehmen eine sechsstellige Summe in der Kasse.
(Foto / Abb.: C. Barhorst / Fotolia)"Das mindert natürlich das Betriebsergebnis", sagt Weis. Aber der Verlust, wenn die Turbine liefe, wäre größer als der Ausfall durch das entgangene Geschäft, sagt Weis. Ursache sind die gesetzlichen Vorgaben für den Einspeisevorrang der geförderten erneuerbaren Energien.
Momentan rentierten sich konventionelle Gaskraftwerke nicht, sie seien aber wichtig für die Netz- und Versorgungsstabilität. "Man muss die Betreiber dazu bringen, dass sie sie mit einem intelligenten Modell dauerhaft am Netz lassen. Das Vorhalten von Kapazitäten müsste bezahlt werden", sagt der Sprecher des Energieversorgers.
Weis sieht den Fall in Freiburg als exemplarisch für die bundesweite Entwicklung, auch wenn hier nur ein kleines Kraftwerk betroffen sei. "Das sind die Geburtswehen der Energiewende - die Waage wird komplett mit neuen Gewichten justiert."
Bei einem der Schwergewichte der Branche, bei E.on in Düsseldorf, verweist man zudem auf die niedrigen Preise für die Emissionszertifikate für Kohlendioxid, die das Bild weiter verfälschten. "Im Moment sind deshalb Braunkohlekraftwerke privilegiert, obwohl sie für doppelt so viel CO2-Emissionen sorgen wie Gaskraftwerke", sagt ein E.on-Sprecher auf dapd-Anfrage. "Je mehr unkoordinierte Erneuerbare wir haben, umso stärker sinkt der Preis für CO2." Beim Emissionshandel werde Klarheit gebraucht. Ein Fördersystem einerseits und ein Marktprinzip andererseits, das passe nicht immer zusammen.
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Die Umweltschutz-Organisation BUND hat den Betreibern der deutschen Stromnetze vorgeworfen, beim Netzausbau mit zu viel Kohlestrom zu rechnen. Die beim so genannten Netzausbau-Plan eingerechneten Mengen Kohlestrom lägen deutlich über den Annahmen der Bundesregierung.
Kanzlerin Merkel hat erneut dafür geworben, für die Energiewende auch gewisse Zumutungen in Kauf zu nehmen, etwa den Bau neuer Stromleitungen. Sie sei davon überzeugt, dass Deutschland bis 2020 ohne Atomstrom auskomme, so Merkel. Das Kanzleramt werde indes ab Juli mit gutem Beispiel vorangehen.
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