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RWE verkauft Tochter Dea nach Russland

Lange stand der Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea in Frage, doch jetzt kann Energiekonzern RWE aufatmen. Für mehrere Milliarden Euro ging das Unternehmen an einen russischen Oligarchen. Eine Gefahr droht nur noch dann, wenn es zu Sanktionen gegen die russische LetterOne-Gruppe durch die EU oder die USA kommen sollte.

RWE

Essen/London (dpa/red) - Nach monatelanger Unsicherheit hat der hoch verschuldete Energiekonzern RWE den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea an den russischen Oligarchen Michail Fridman abgeschlossen. Der Preis liege auf Basis aktueller Währungskurse bei rund 5,1 Milliarden Euro und damit leicht höher als bei der Verkaufsvereinbarung Mitte Januar zunächst angepeilt, teilte der Konzern am Montag in Essen mit. Die Erleichterung im Unternehmen war groß. Vorstandschef Peter Terium sprach von einem "Meilenstein".

Dea-Erlös soll Schulden tilgen

RWE hat derzeit mehr als 30 Milliarden Euro Schulden. Der Erlös aus dem Dea-Verkauf soll im wesentlichen in deren Tilgung fließen. RWE Dea fördert in Europa sowie in Nordafrika Öl und Gas. Das Unternehmen gilt als Ertragsperle: Bei 2,1 Milliarden Euro Umsatz lag das Betriebsergebnis 2013 bei 524 Millionen Euro.

Bei Sanktionen zum Rückerwerb verpflichtet

Bis zuletzt hatten Bedenken der britischen Regierung wegen der Krise um Russland und die Ukraine das Geschäft infrage gestellt. Die Dea-Felder liegen zum Teil im britischen Gebiet der Nordsee.

Hintergrund der Haltung Londons sind Sorgen über die Auswirkungen, die mögliche künftige Sanktionen gegen die russische LetterOne-Gruppe Fridmans auf den Betrieb der Felder haben könnten. Ernste Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken könnten die Folge sein, hatte die britische Regierung ihre Bedenken begründet.

Nun bleibt immerhin ein kleines Rest-Fragezeichen übrig. "Nur wenn innerhalb des ersten Jahres nach dem Vollzug die EU oder die USA Sanktionen gegen die LetterOne oder deren Eigner verhängen sollten, ist RWE zum Rückerwerb des UK-Geschäfts verpflichtet", hatte RWE am Wochenende in einer Börsenmitteilung erklärt.

Geringe Rolle für die deutsche Versorgung

Offizielle Bedenken der deutschen Regierung gegen das Geschäft gibt es nicht. Der Anteil von Dea an der Gesamtversorgung der Bundesrepublik - innerdeutsche Förderung einschließlich Bezug von außen - liegt nur bei etwa einem Prozent für Öl und zwei Prozent für Gas.

Der Verkauf von Dea bedeutet für RWE zwar den Verlust eines stabilen Ertragsbringers. Strategisch gesehen sei es jedoch kein Rückschlag, wie das Unternehmen immer wieder betonte.

Ende der 1980er Jahre war RWE bei Dea eingestiegen, um sich einen sicheren Zugang zu Gas für seine Kraftwerke und anderen Abnehmer zu verschaffen. Das ist heute nicht mehr nötig: Es gibt weltweit mehr Pipelines, mehr Gashandel und absehbar in den kommenden Jahren auch mehr Flüssiggas-Transporte mit großen Spezialschiffen.

RWE kann Investitionen nicht mehr zahlen

Die Gas- und Ölförderung erfordert außerdem Milliardeninvestitionen. Allein 2012 und 2013 waren es jeweils fast 700 Millionen Euro für Dea - Summen, die RWE wegen des abgestürzten Börsen-Strompreises und seiner hohen Verschuldung nun nicht mehr übrig hat.

Der Schuldenabbau auf rund 25 Milliarden Euro könnte Deutschlands zweitgrößten Energieversorger von hohen Zinslasten befreien und die Position am Kapitalmarkt verbessern, hieß es aus Firmenkreisen. Die Essener sehen sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, zu spät und mit zu wenig Kapital in die Energiewende investiert zu haben.

Ihre Ökostrom-Tochter Innogy hat für die drei Jahre von 2015 bis 2017 gerade einmal eine Milliarde Euro an Gesamtinvestitionen geplant. Mit mehr Geld in der Kasse könnte der Konzern mit dem Werbeslogan "VoRWEggehen" künftig mit mehr Nachdruck den Umbau vor allem hin zur Windstrom-Erzeugung vorantreiben, so die Hoffnung.

Quelle: DPA