Wachstumspläne

RWE plant in Wilhelmshaven Erdgas-Anlandestation

Sollten die Behörden grünes Licht geben, will RWE in Wilhelmshaven eine Anlandestation für verflüssigtes Erdgas errichten. Eine direkte Einspeisung in das deutsche Gasnetz sei geplant; in drei Jahren sollen 600.000 Kubikmeter Gas pro Stunde ins deutsche Netz fließen.

Gaspreise© Jaap2 / iStockphoto.com

Essen (red) - RWE setzt seine Wachstumsstrategie auf dem europäischen Gasmarkt fort: Der Energiekonzern plant die Entwicklung einer Anlandestation für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas / LNG) in Wilhelmshaven. Projektpartner der federführenden Konzerntochter RWE Gas Midstream sind die US-amerikanische Excelerate Energy und Nord-West Oelleitung (NWO).

Wie schon im britischen Teesside wollen die Partner in diesem neuen deutschen GasPort eine spezielle Technologie von Excelerate nutzen. Diese erlaubt es, LNG auf den Tankern nicht nur zu transportieren, sondern nach der Regasifizierung an Bord auch direkt in das Pipeline-Netz einzuspeisen. Die Excelerate-Technologie ist nach Angaben von RWE höchst kosteneffizient, denn sie erfordere keine Investitionen in Infrastruktur für die LNG-Regasifizierung an Land.

"RWE hat das erklärte Ziel, im Gasbereich deutlich zu wachsen", betont Harry Roels, Vorstandsvorsitzender der RWE AG. "Mit dem Projekt GasPort können wir die Bezugsquellen diversifizieren und gleichzeitig zur Versorgungssicherheit beitragen."

Dieser GasPort soll die Excelerate-Technologie zum ersten Mal in Deutschland zum Einsatz bringen. Ende 2010, so die Planung, könnten in einem GasPort in Wilhelmshaven bis zu 600.000 Kubikmeter regasifiziertes LNG pro Stunde in das deutsche Gasnetz eingespeist werden. Zum Vergleich: Die Gasheizung für ein Einfamilienhaus braucht umgerechnet etwa 2.200 Kubikmeter Gas pro Jahr. Basis für das Projekt ist ein Abkommen zwischen RWE und Excelerate zur gemeinsamen Entwicklung von LNG-Importkapazitäten in Europa. In Teesside ist ein solcher Excelerate-GasPort, wie er in Wilhelmshaven geplant ist, bereits seit Februar 2007 in Betrieb; von dort aus vermarktet RWE Trading das eingespeiste Erdgas in Großbritannien.

Den entscheidenden Vorteil des GasPort-Konzepts sieht RWE in der sehr flexiblen Gasanlieferung, vor allem in Zeiten hoher Nachfrage. Die technischen Voraussetzungen und die wirtschaftlichen Perspektiven einer solchen Anlage im Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven werden in den kommenden Monaten geprüft. Das Projekt steht allerdings noch unter dem Vorbehalt verschiedener behördlicher Genehmigungen, die Schifffahrts- und Umweltbelange sowie die Frage nach einer Pipeline-Anbindung betreffen.