Pilotprojekt

Power-to-Gas: Biogas als Energiespeicher nutzen

In der Veredelung von Biogas zu synthetischem Methan sehen Forscher des Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) neue Möglichkeiten zur Speicherung erneuerbarer Energien. Ein Pilotprojekt habe vielversprechende Möglichkeiten aufgezeigt, sagte IWES-Institutsleiter Claus Hoffmann am Mittwoch in Bad Hersfeld.

Biomasse© Swetlana Wall / Fotolia.com

Bad Hersfeld (dapd/red) - Aus Biogas und Wasserstoff, der wiederum mit erneuerbaren Energien gewonnen werde, könne synthetisches Methan hergestellt werden. Denkbar sei über eine Speicherung der Energie zur Rückverstromung hinaus auch der Einsatz des Gases in methanbetriebenen Fahrzeugen.

In Versuchen hätten die Wissenschaftler in einem Reaktor synthetisches Methan von "gleichbleibender Qualität" erzeugt. Dieses könne in das bestehende Erdgasnetz eingespeist und so unterschiedlich genutzt werden, erläuterte Hoffmann. Somit komme Biogas als Ausgleichsfaktor für die schwankende Stromgewinnung aus Solaranlagen und Windkraft eine noch bedeutendere Rolle zu.

Vorhandene Biogasanlagen aufrüsten

"Die Energiewende wird nur gelingen, wenn wir bezahlbare technische Möglichkeiten finden", sagte die hessische Umweltministerin, Lucia Puttrich (CDU). Hierzu habe das gemeinsam von den Ländern Hessen und Thüringen mit jeweils 200.000 Euro geförderte Projekt "erstaunliche" Potenziale aufgezeigt.

Ein Effekt der sogenannten "Power-to-Gas"-Technologie sei die Effizienzsteigerung vorhandener Biogasanlagen. Vorstudien hätten gezeigt, dass rund 34 Prozent der hessischen Biogasbetriebe dieses Verfahren anwenden könnten, merkte die Ministerin an. "Das ist eine unglaubliche Chance", betonte sie. Die Fördermittel seien entsprechend "gut angelegt", da "Power-to-Gas" später sicherlich grenzüberschreitend vermarktet werden könne.

Förderung beim Bund angedacht

In Thüringen seien etwa 70 Prozent der bereits vorhandenen Biogasanlagen mit "Power-to-Gas" erweiterbar, sagte Puttrichs thüringischer Amtskollege Jürgen Reinholz (CDU). Die Speicherung von Strom stelle eine der großen Herausforderungen der Energiewende dar. Diese jedoch mit Pumpspeicherkraftwerken zu bewältigen, sei wegen der immensen Baukosten und der topografischen Gegebenheiten "unvorstellbar". Hingegen könne bei dem jetzt vorgestellten Verfahren auf bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden.

Ab 2014 solle an einer Thüringer Biogasanlage ein Demonstrationsprojekt eingerichtet werden. Hiervon verspreche sich das Land weitere Erkenntnisse zu Chancen und Risiken des Methanisierungsverfahrens an kleinen und mittleren Biogasanlagen, sagte Reinholz. Außerdem kündigte er an, sich bei einer erneuten Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für eine stärkere Förderung von 'Power-to-Gas'-Anlagen einsetzen zu wollen.