Entscheidung

Netzagentur weist Beschwerden gegen E.ON Gastransport zurück

Die Bundesnetzagentur hat zwei Beschwerden von zukünftigen Speicher- und Gaskraftwerksbetreibern zurückgewiesen, in denen sich diese gegen die Ausgestaltung des Open-Season-Verfahrens 2008 der E.ON Gastransport gewandt hatten.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Bonn (red) - Mit diesem Verfahren ermittelt E.ON Gastransport (EGT) seit Ende Januar den Marktbedarf für neue Gasfernleitungen und schafft die wirtschaftlichen Voraussetzungen, die aus Sicht des Unternehmens für die geplanten Investitionen erforderlich sind.

Die Beschwerdeführer, zwei Unternehmen der Nuon-Gruppe sowie das Start-Up-Unternehmen Continental Gas Storage B.V. hatten Ende März 2008 Missbrauchsverfahren gegen EGT beantragt mit dem Ziel, die Bedingungen des Open-Season-Verfahrens (OS) zu ändern. Dabei richteten sich die Beschwerden vor allem gegen den zu frühen Zeitpunkt einer bindenden Zusage, weil dies ein zu hohes Risiko berge.

"Wir haben die Zurückweisung der Beschwerden vorwiegend auf formale Gründe gestützt. Damit stellen wir aber kein "Gütesiegel" für alle Bedingungen des Verfahrens aus", begründete der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, die Entscheidung. "Im Detail ist das Pilotprojekt der EGT aus unserer Sicht noch verbesserungsfähig."

Durch die Zurückweisung der Anträge kann der Ausbauprozess nun ungehindert fortgeführt werden. Eine Entscheidung im Sinne der Beschwerden hätte die Ausbaupläne um Monate, wenn nicht um Jahre zurückgeworfen. "Mit unserer Entscheidung haben wir in einem weiteren Fall verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Netze gesetzt", erklärte Kurth. "Die Entscheidung zeigt, dass ein Netzausbau auch im geltenden Regulierungsregime nach marktorientierten Kriterien geplant werden kann."

Nach aktuellen Veröffentlichungen der EGT haben sich über hundert in- und ausländische Unternehmen an der unverbindlichen Kapazitätsanfrage beteiligt. Dies spreche für ein investitions- und wettbewerbsfreundliches Klima. Insgesamt wurde Kapazitätsbedarf für nahezu fünfhundert Ein- und Ausspeisepunkte im H-Gas und L-Gas-Netz von E.ON angemeldet. Damit würde das bestehende Leitungssystem ab dem Jahr 2011 mehr als verdoppelt. Der Markt signalisiere einen hohen Ausbaubedarf, der von neuen Infrastrukturvorhaben wie Speichern oder Flüssigerdgas-Terminals getrieben wird. Er lasse aber auch eine zunehmende Bedeutung Deutschlands als Transitdrehscheibe und attraktiver Handelsplatz für Erdgas erkennen.

Zugleich zeichne sich aber auch bereits jetzt ab, dass ein Ausbau in dem gewünschten Umfang kaum durchführbar wäre. In einem vorläufigen, rein summarischen Netzausbauszenario geht EGT davon aus, dass auf der Grundlage der bisherigen Anmeldungen innerhalb weniger Jahre neue Hochdruckleitungen in einer Länge von mehr als 3.000 km verlegt werden müssten. Für die nächste Phase des OS, in dem die Verbindlichkeit für die Kunden in einem abgestuften Vorgehen zunimmt, ist daher laut EGT ein Rückgang des angemeldeten Bedarfs zu erwarten. Nach Erfahrungen aus dem Ausland seien Reduzierungen um etwa 60 Prozent in der Phase der Kapazitätsvergabe und -verpflichtung nicht ungewöhnlich. Gleichwohl sei nicht auszuschließen, dass selbst auf dieser Grundlage eine Priorisierung der ambitionierten Ausbauvorhaben erforderlich sein wird. Dazu werden von EGT transparente und diskriminierungsfreie Kriterien zu entwickeln und mit der Bundesnetzagentur abzustimmen sein.