Vertrag unterzeichnet

Nabucco-Pipeline soll Gasversorgung für Europa sichern

Die EU und die Türkei haben einen wichtigen Schritt zur Sicherung ihrer Energieversorgung getan und das Abkommen zur Nabucco-Pipeline unterzeichnet. Diese soll Gas von Zentralasien nach Europa transportieren. Doch bislang ist unklar, aus welchen Ländern das Gas kommen soll.

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Ankara (afp/red) - In Ankara unterzeichneten die Regierungen von vier EU-Länder und der Türkei heute ein Abkommen für das Pipeline-Projekt Nabucco, das von 2014 an jedes Jahr 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Zentralasien über die Türkei nach Europa bringen soll. Die 3300 Kilometer lange Rohrleitung wird etwa acht Milliarden Euro kosten und von der Türkei bis nach Österreich führen. In Anschluss-Pipelines soll das Gas aus den Lieferländern Zentralasiens herangeschafft werden.

Anhängigkeit von russischem Gas mindern

Das Projekt sei von vitaler Bedeutung für die energiepolitische Sicherheit der EU und der Türkei, sagte EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso bei der Unterzeichnungszeremonie. Mit dem Regierungsabkommen der Türkei mit den vier EU-Partnerländern Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich sei das lange umstrittene Pipelineprojekt nun unumkehrbar geworden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "historischen Moment" und ist überzeugt, dass das Projekt auch der türkischen EU-Kandidatur helfen werde.

Mit Hilfe von Nabucco wollen EU und Türkei in Zukunft Situationen wie in den vergangenen Jahren vermeiden, als Meinungsverschiedenheiten zwischen Russland und der Ukraine zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Gasversorgung mitten im Winter führten. Derzeit bezieht die EU rund 25 Prozent ihres Erdgases aus Russland; der Anteil ist in südosteuropäischen Ländern noch wesentlich höher. Auch die Türkei ist mit einem russischen Gasanteil von 60 Prozent in hohem Maße von Moskau abhängig.

Woher das Gas kommen wird, bleibt unklar

Trotz des ehrgeizigen Projektes ist bisher unklar, aus welchen Ländern das Gas für Nabucco kommen soll. Aserbaidschan hat seine Teilnahme zugesagt, wird nach Expertenmeinung aber nicht mehr als vier der angestrebten 31 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liefern können. Mögliche andere Lieferanten sind Turkmenistan, Irak und Ägypten.

Der irakische Premier Nuri al-Maliki sagte in Ankara, sein Land könne 15 Milliarden Kubikmeter Gas beisteuern. Nach Einschätzung eines US-Diplomaten ist diese Zusage aber mit Vorsicht zu genießen, weil es in Irak noch keine Einigung zwischen der Zentralregierung und der ressourcenreichen kurdischen Autonomiezone über die Aufteilung der Bodenschätze gebe. Die russische Konkurrenz-Pipeline "South Stream", die russisches Gas unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien transportieren soll, ist ein weiterer Faktor, der "Nabucco" Probleme bereiten könnte.

Jede zweite Wohnung hierzulande mit Gas geheizt

Deutschland bezieht etwa 37 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Kein großes europäisches Industrieland ist annähernd so abhängig von russischem Gas wie Deutschland. Die meisten osteuropäischen Staaten beziehen allerdings noch mehr Gas aus Russland. Gefördert wird das Gas meist in Sibirien, es kommt in zwei großen Pipelines nach Deutschland: eine führt im Norden über Weißrussland und Polen, die anderen über die Ukraine und Tschechien.

Geheizt mit Erdgas wird hierzulande jede zweite deutsche Wohnung - Tendenz ist steigend. Die ersten Lieferungen vereinbarten Bonn und Moskau 1973. Trotz der weltpolitischen Konstellation kam es bis 1990 nie zu Problemen bei der Lieferung. Erst beim ersten russisch-ukrainischen Gasstreit zum Jahreswechsel 2005/2006 drosselte Russland erstmals die Gaslieferungen. Um unabhängiger zu werden, setzt die EU auf die Nabucco-Pipeline, die Importeure zusätzlich auf die neue Flüssiggas-Technik, bei der Gas per Schiff geliefert wird.

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