Mögliche Beteiligung

Kartellamt sieht Gazprom-Einstieg bei RWE kritisch (Upd.)

Das Bundeskartellamt sieht eine mögliche Beteiligung des russischen Energieriesen Gazprom am deutschen Netzbetreiber RWE kritisch. Kartellamtspräsident Mundt äußerte der Nachrichtenagentur dapd gegenüber seine Bedenken. RWE-Chef Großmann hatte sich in Paris mit dem Gazprom-Leiter Miller getroffen.

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Hamburg/Essen/Bonn (dapd/red) - "Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen," so Mundt. RWE-Chef Jürgen Großmann erwägt einem Magazinbericht zufolge eine weitreichende Verknüpfung des Essener Energieunternehmens mit dem russischen Konzern Gazprom. Wie der "Spiegel" am Samstag vorab berichtete, hat sich Großmann am Freitag in Paris zu entsprechenden Verhandlungen mit Gazprom-Chef Alexej Miller getroffen.

Aus Sicht des RWE-Vorstandsvorsitzenden komme auch eine strategische Beteiligung des russischen Energiemultis an RWE oder an Töchtern des Konzerns infrage, schreibt das Magazin. Im Idealfall wolle Großmann dem RWE-Aufsichtsrat Ergebnisse seiner Verhandlungen bereits Anfang August präsentieren.

Worum ging es bei den Verhandlungen?

Nach Berichten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" wurde im Gespräch zwischen Großmann und Miller auch die Möglichkeit eines Einstiegs von Gazprom beim zweitgrößten deutschen Energieversorger selbst oder bei RWE-Tochterunternehmen ausgelotet. Der RWE-Chef wolle den Essener Stromriesen nach dem erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie umbauen und suche dafür finanzkräftige Partner. Selbst als langfristigen Großaktionär könne sich Großmann Gazprom vorstellen, hieß es in den Berichten.

Eine RWE-Sprecherin bestätigte allerdings lediglich, dass es Verhandlungen zur Revision der Gas-Lieferverträge gegeben habe. Zu "Spekulationen" über eine Beteiligung der Russen am Essener Konzern wollte sie sich nicht äußern.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte unterdessen, es lasse sich noch nicht einschätzen, ob eine mögliche Kooperation der beiden Energieriesen das Außenwirtschaftsgesetz berühre. Grundsätzlich sei Deutschland aber ein für ausländische Investoren offenes Land.