Studie

Hohe Wechselbereitschaft bei Tarifkunden im Gasmarkt

Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Executive Networks Deutschland belegt, dass 21 Prozent der Tarifkunden im Gasmarkt planen, den Anbieter zu wechseln. Das Wechslerpotenzial ist damit fast doppelt so hoch wie bei Stromkunden. Die Bereitschaft zur Neuorientierung im Energiemarkt scheint massiv zu wachsen.

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Köln (red) - Die Studie belegt, dass nicht vorrangig der Gaspreis die Initiative zum Wechsel des Anbieters auslöst. Ganz im Gegenteil: 31 Prozent der Befragten erklären sogar ihre Bereitschaft, für Biogas einen höheren Preis zu zahlen. Ähnliches gilt auch, wenn Energieversorger soziales Engagement zeigen - etwa im Klima- bzw. Umweltschutz. Insbesondere Stadtwerken bietet sich hier die Chance, ihre über rein ökonomische Interessen hinausgehenden kommunalen Verpflichtungen glaubwürdig zu vermitteln.

Allerdings dürfte im Kontext die aktuelle Berichterstattung zu den teilweise deutlichen Strompreiserhöhungen ein echtes Handicap sein. Ein Teil der Stadtwerke verliert dadurch deutlich an Sympathie und Akzeptanz. Die steigende Bereitschaft, nicht nur zu Billigstrom, sondern auch zu in einigen Regionen kaum teureren Ökostromanbietern zu wechseln, spricht eine deutliche Sprache. Die Steigerung der Eigenproduktion auf Basis erneuerbarer Energien könnte hier nicht nur für Entspannung bei den Beschaffungskosten, sondern auch für den Anstieg der Glaubwürdigkeit sorgen.

Was Gaskunden vom Wechsel des Anbieters abhält: Bei 49 Prozent der Tarifkunden ist es die Zufriedenheit mit dem Anbieter, nur zehn Prozent scheuen den Aufwand. Zusätzliches Wechselpotenzial deutet sich bereits bei 18 Prozent der Befragten an, die lediglich noch bestehende Informationsdefizite von einem Wechsel des Gasanbieters abhalten. Wie viele Kunden gerne den Anbieter wechseln würden, es aber nicht können, blieb offenbar ungefragt.

Wesentlichen Einfluss auf die Kundenzufriedenheit hat die Betreuung durch den Gasanbieter, die vor allem von der Verständlichkeit der Rechnung und der Genauigkeit der Abschlagszahlung bestimmt ist. Im bundesweiten Durchschnitt schneiden dabei die Gasanbieter nur durchschnittlich ab - bei deutlichen regionalen Unterschieden. Vor allem in Norddeutschland lässt die Zufriedenheit mit Betreuung und Rechnungsgenauigkeit zu wünschen übrig. Frühwarnsignal für einen Wechsel des Anbieters ist ein Widerspruch gegen die Abrechnung. Die Wechselbereitschaft in diesem Kundenkreis liegt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt um 91 Prozent höher.

Eine weitere Option die Kundenbindung zu fördern sind Zusatzleistungen - Heizungs-Contracting für Hauseigentümer, auch Online-Dienste und die Vermittlung von Handwerksbetrieben. Insbesondere für Stadtwerke bildet dabei die Gemeindeordnung einiger Bundesländer eine Barriere.

Grundsätzlich deutet die Studie darauf hin, dass die aktuelle, intensive Diskussion um Energiekosten und Klimaschutz die aufgezeigten Trends bei Gas- und Stromkunden schnell verstärken wird.