Keine Einigung

Gespräche zwischen Gazprom und RWE gescheitert

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Energieversorger RWE und der russischen Gazprom wird es zunächst wohl doch nicht geben. Beide wollten eigentlich gemeinsam Kraftwerke in Deutschland bauen. Die exklusiven Gespräche der beiden Unternehmen wurden jetzt beendet, ohne dass eine Einigung erzielt werden konnte.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Essen (dapd/red) - Es sei "in gegenseitigem Einvernehmen" beschlossen worden, die Gespräche über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen zum Jahresende auslaufen zu lassen, teilte RWE am Donnerstag mit. RWE und Gazprom hatten seit Juli über eine Kooperation beim Bau und Betrieb von Kraftwerken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden verhandelt. "Bedauerlicherweise konnten wir uns dennoch nicht auf einen für beide Seiten tragfähigen Rahmen für eine Zusammenarbeit einigen", sagte RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann.

Keine negativen Auswirkungen an der Börse

Die Börse reagierte gelassen auf die Absage. In Frankfurt lag die RWE-Aktie bis gegen 12.40 Uhr sogar mit einem Kursplus von 2,8 Prozent auf 26,98 Euro deutlich über dem DAX-Schnitt. Offenbar war das Scheitern der Gespräche mit RWE bereits erwartet worden.

Außerdem konnte der Konzern seine Kapitalerhöhung erfolgreich abschließen. Insgesamt seien 80,4 Millionen Aktien zum Gesamtpreis von knapp 2,1 Milliarden Euro platziert worden, teilte der Konzern mit. Davon gingen knapp 19 Millionen Aktien an die Altaktionäre der RWE, die von ihrem Bezugsrecht Gebrauch machten.

Darauf hatte auch ein am Mittwoch von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) unterzeichnetes Arbeitsprogramm für eine Kooperation mit dem russischen Energiekonzern hingedeutet. Inhalt der Vereinbarung sei eine "Kooperation bei der Stromerzeugung", hieß es. Gazprom habe Interesse gezeigt, sich bei der "Bereitstellung von im Zuge der Energiewende benötigten Kraftwerkskapazitäten zu engagieren", sagte ein bayerischer Regierungssprecher.

Uneinigkeiten im Hintergrund

Die Gespräche zwischen Gazprom und RWE fanden ohnehin vor einem schwierigen Hintergrund statt. RWE und Gazprom streiten seit geraumer Zeit über die langfristigen Gasverträge, die beide Konzerne verbinden. Die Essener verlangen eine Nachbesserung der Abmachungen, die ihnen wegen der darin festgeschriebenen hohen Abnahmepreise zuletzt hohe Verluste bescherten. Außerdem sind die Essener am Pipeline-Konsortium Nabucco beteiligt, dass die Abhängigkeit Westeuropas von russischen Gaslieferungen verringern soll.

Russland will am deutschen Energiemarkt teilhaben

Russland strebt bereits seit längerem auf den deutschen Energiemarkt und treibt dies sowohl wirtschaftlich als auch politisch voran. So sagte der Energieminister des Landes, Sergej Schmatko, zuletzt, dass Russland in der Energiepolitik enger als bisher mit Deutschland kooperieren wolle. Man sei deshalb dazu bereit, Kraftwerke gemeinsam mit hiesigen Partnern zu bauen, zu finanzieren und zu betreiben. Hintergrund des Engagements ist offenbar, dass Russland nicht mehr reiner Rohstofflieferant sein will, sondern auch vom lukrativen Stromgeschäft profitieren will. RWE seinerseits hätte im Zuge des Atomausstiegs durchaus eine Geldspritze vertragen können.