Selbstversorger

Gemeinde Schlöben setzt auf zentrale Biowärme

Wenn die Menschen in Schlöben im kommenden Winter wieder regelmäßig ihre Heizungen nutzen werden, kommt die Wärme aus zwei kleinen Blockheizkraftwerken am Rande des Ortes im Saale-Holzland-Kreis. Gespeist werden diese mit Biogas. Die Initiatoren denken weiter und möchten am liebsten ganz Ostthüringen zur Biogas-Region machen.

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Schlöben (dapd/red) - Ein eigens verlegtes unterirdisches Nahwärmenetz verteilt die Wärme in der Gemeinde sowie im Nachbarort Zöttnitz. Bürgermeister Hans-Peter Perschke (SPD) ist stolz auf das Projekt "Bioenergiedorf Schlöben", eines der ambitioniertesten Vorhaben dieser Art in Thüringen.

Sechs Jahre sei es her, dass die Idee, eine zentrale Wärmeversorgung zu schaffen, die sich aus Biomasse speist, in der Gemeinde nördlich von Jena Gestalt annahm, berichtet Perschke. Angefangen habe alles mit einer Fahrt des Gemeinderates und des Vorstandes der im Ort ansässigen Agrargenossenschaft in das erste Bioenergiedorf der Bundesrepublik, nach Jühnde nahe Göttingen. Der Ort erzeugt seine benötigte Energie, Strom und Wärme, seit Jahren selbst auf Biomasse-Basis.

"Auf dem Heimweg war uns klar: Das können wir auch", sagt Perschke. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit sei das Projekt dann Stück für Stück realisiert worden. Träger des Vorhabens ist nicht die Gemeinde, sondern eine eigens gegründete Genossenschaft, deren Vorstand Perschke ist.

Ostthüringen soll zur Bioenergieregion werden

Den Bau der Biogas- und Nahwärmeleitungen habe das Land mit knapp einer Million Euro unterstützt, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Aus Sicht des zuständigen Ministers Jürgen Reinholz (CDU) ist das gut angelegtes Geld. "Uns ist es wichtig, dass regional erzeugte Energie auch regional genutzt wird", sagt Reinholz. Das stärke den ländlichen Raum und vermindere durch kurze Leitungswege die Energieverluste.

Geht es nach den Biodörflern soll das, was sie in den vergangenen Jahren geschaffen haben, im Freistaat möglichst viele Nachahmer finden - ein Anliegen, um das sich neben Perschke auch Thomas Winkelmann kümmert, der für die Vereinigung "Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland" arbeitet. Seine Vision ist: "Aus ganz Ostthüringen soll eine Bioenergieregion werden."

Allein im Saale-Holzland-Kreis gebe es 18 Biogasanlagen, die allerdings fast ausschließlich Strom produzierten. "Warum soll man dort in Zukunft nicht auch die Wärme nutzen", fragt Winkelmann.

Auch wenn es die Schlöbener vorgemacht haben, wird es nicht einfach, weitere Bioenergiedörfer auf den Weg zu bringen. Das wissen Perschke und Winkelmann allzu gut. Man brauche in jedem Fall eine strategische Partnerschaft zwischen dem Gemeindeoberhaupt und einer Agrargenossenschaft, sagen sie. Der Bürgermeister sollte für das Projekt werben, für die Vernetzung in die Politik sorgen und wissen, aus welchen Fördertöpfen man schöpfen könne.

Einsparpotenzial überzeugte Einwohner

Das Agrarunternehmen hingegen müsse die materielle Basis zur Biomassenutzung liefern - beispielsweise Gülle oder nachwachsende Rohstoffe. Außerdem werde dort der Genossenschaftsgedanke gelebt, der für das Funktionieren eines Bioenergiedorfs wie Schlöben zentral sei. Schon diese Voraussetzungen aber seien längst nicht überall gegeben, sagt Perschke. Zu oft stünden außerdem persönliche Befindlichkeiten im Weg. Und in vielen Orten fehle "der Kümmerer mit einer großen Leidensfähigkeit", bei dem die Fäden zusammenliefen.

Noch wichtiger für den Erfolg eines solchen Projekts sei es aber, die Menschen von Anfang an einzubinden. "Bei all den Schwierigkeiten, die wir überwinden mussten, war das die größte", sagt Winkelmann. Jene, die die mit Biogas erzeugte Wärme abnehmen sollen, müssten sich von Anfang an sicher sein, damit Geld sparen zu können. "Der Moment der Überzeugung ist der Moment des Rechnens."

"Wohin die Preise noch klettern, interessiert nicht mehr"

Nach Angaben von Perschke zahlen die Schlöbener, die sich künftig über das neue Nahwärmenetz versorgen lassen, einen Grundpreis von 300 Euro im Jahr plus 6,68 Cent pro Kilowattstunde Wärme. "Das entspricht einem Heizölpreis von 55 Cent je Liter", sagt er. Auf dem Markt aber sei selbst mit Mengenrabatt ein Liter Heizöl für nicht unter 80 Cent zu bekommen.

"Wohin diese Preise künftig noch klettern, interessiert uns hier aber überhaupt nicht mehr", sagt Perschke. Das habe viele Menschen schließlich überzeugt - und so den Erfolg des Bioenergiedorfs Schlöben gesichert.