Gasmarkt

Fracking-Trend in den USA stark rückläufig

Der Fracking-Boom in den USA scheint sich dem Ende zuzuneigen. Einem Medienbericht zufolge haben Unternehmen ihre Investitionen nahezu halbiert. Experten schätzen den Rückgang als vorübergehenden Trend: Es handle sich um ein in der Wirtschaft unter dem Begriff "Schweinezyklus" gefasstes Phänomen.

Fracking© VKU/regentaucher.com

Berlin (red) - In den vergangenen Jahren nahm das Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Erdgas in den Vereinigten Staaten stark zu und machte das Land zu einem der größten Förderländer weltweit. Nun ziehen die Investoren zurück: Wie die Onlineausgabe der Welt berichtet, sind Finanzierungen in diesem Bereich fast um die Hälfte zurückgegangen. Im letzten Jahr waren nur noch 3,4 Milliarden Dollar investiert worden, während es im Jahr zuvor fast doppelt soviel gewesen sei.

Vorübergehender Trend

Das "goldenes Erdgas-Zeitalter", wie es die Internationale Energie-Agentur (IEA) vorausgesagt hat, scheint nicht so ergiebig, wie es sich einige Konzerne erhofft hatten. Peter Vosser, der Chef der Royal Dutch Shell, hat dies bereits bestätigt und Abschreibungen auf die Schiefergas-Aktivitäten vorgenommen. Im November hatte das Unternehmen zudem den Verkauf von 192 Bohrstätten angekündigt. "Das Geschäft mit unkonventionellem Erdgas hat sich nicht so entwickelt wie erhofft", gab Voser bekannt

Experten glauben nicht an ein Ende: Sowohl Heiko Lohmann als auch der Hamburger Energie-Informationsdienst gehen davon aus, dass sich bei Erholung der Preise auch das Interesse am Schiefergas wieder steigern werde. Die Preise seien durch das überhöhte Gasangebot auf einem so niedrigen Niveau, so dass die Erdöl-Förderung attraktiver erscheine. "Sobald die Preise wieder auf ein auskömmliches Niveau steigen, wird auch wieder mehr gebohrt", sagte Lohmann der "Welt".

Schweinezyklus am Gasmarkt

Dieses Phänomen ist unter dem Begriff "Schweinezyklus" bekannt. Demnach sorgt die Attraktivität eines Angebots infolge von Investitionen für einen Überschuss an Ware. Daraufhin fallen die Preise, was wiederum zum Rückzug einiger Unternehmen aus dem Geschäft führt. Dadurch wird auch das Angebot wieder knapper und der Preis kann wieder steigen.

USA könnte Netto-Exporteur werden

Der Anstieg des US-Gaspreises auf einen Höchstwert von 13 Dollar pro mmBTU habe zu einer Ausdehnung des Fracking-Geschäfts geführt. Durch die vielen darauf folgenden Investitionen von Unternehmen sei der Gaspreis auf etwa zwei Dollar pro mmBTU gefallen. Die Kosten für die Produktion mit Schiefergas lägen bei 4,5 bis fünf Dollar – wirtschaftlich sei das Fracking-Verfahren damit nicht mehr. Kleinere Unternehmen, die mit einem zukünftigen Preisanstieg von Erdgas rechneten, seien aber bereits wieder dabei, in die momentan günstigen Schiefergas-Vorkommen zu investieren.

Einhergehend mit der Marktreinigung und dem sinkenden Angebot sind die Preise für Erdgas seit Mai 2012 wieder um 80 Prozent gestiegen. Sowohl die Geschäftsaufnahme durch kleinere Unternehmen als auch die Verbesserung der Infrastruktur, wie etwa der Bau eines Verflüssigungsterminals, könnten der EIA nach dazu führen, dass die USA 2018 "zum Netto-Exporteur von Erdgas" aufsteigt.