"Kein Zusammenhang"

EWE kündigt Rückzahlung an und erhöht die Preise (Upd.)

Rund 620.000 Gaskunden des Versorgers EWE bekommen angesichts des Streits um Preisanhebungen eine Rückerstattung, wie der Oldenburger Gasanbieter am Freitag mitteilte. Jetzt folgte dann die schlechte Nachricht: Beim Erdgastarif "classic" erhöht der Anbieter die Preise. Ab Dezember kostet die kWh 0,72 Cent mehr.

Gaspreise© Jaap2 / iStockphoto.com

Oldenburg (dapd/red) - Die jeweilige Höhe der Rückzahlung richte sich nach dem Gasverbrauch. Demnach werde je Kilowattstunde ein Bruttobetrag von 0,46 Cent ausgezahlt. Für kleinere Haushalte seien dies Sonderzahlungen zwischen 50 und 100 Euro, für mittlere zwischen 100 und 150 und für größere zwischen 150 und 200 Euro. Die Erstattungen würden in der kommenden Jahresabrechnung berücksichtigt.

Kein Geld für Kunden im laufenden Rechtsstreit

Der Vorschlag kam vom ehemaligen Bremer Bürgermeisters Henning Scherf. Grund für die Vermittlung sei ein Streit über den Umgang mit dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) gewesen. Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung waren Preiserhöhungen des Versorgers. Von der Rückzahlung profitieren alle Kunden, die bereits vor dem ersten August 2008 EWE-Kunden gewesen seien. Ferner sei von der Erstattung jene Kunden ausgeschlossen, die sich aktuell noch im Rechtsstreit mit EWE befänden.

Gasanbieter zahlt als Kompromisslösung

"Das Urteil des BGH hat auch EWE in eine unklare Position gebracht. Das Gericht hat zwar die Klausel für unwirksam erklärt, aber nicht geklärt, wie mit den Preiserhöhungen im entsprechenden Zeitraum umzugehen ist", sagte EWE-Aufsichtsratschef Günther Boekhoff. Die Sonderzahlung werde nun als Kompromissvorschlag betrachtet, um eventuelle langwierige Verfahren zu vermeiden. Zugleich verwies er darauf, dass die Auszahlung "wahrscheinlich nur durch Kürzungen bei den Kosten und Investitionen zu finanzieren" sei.

Erst die Erstattung, dann die Preiserhöhung

Wie die EWE jetzt mitteilte, steigt der Bezugspreis beim Erdgastarif classic ab Dezember um brutto 0,72 Cent pro Kilowattstunde. Die Anhebung sei wegen steigender Bezugskosten unumgänglich. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kämen jährliche Mehrkosten von knapp 144 Euro brutto hinzu. Zugleich versicherte EWE, dass die Anhebung "in keinem inhaltlichen Zusammenhang" mit der erst jüngst bekanntgegebenen Rückzahlung an die Kunden stehe.