Kohlendioxid-Ausbruch

Ermittlungen nach Grubenunglück in Thüringen

Die Ermittlungen nach dem tödlichen Grubenunglück in Südthüringen gestalten sich schwierig. Wegen zu hoher Kohlendioxid-Konzentrationen im Schacht könnten die Ermittler noch nicht an den Ereignisort heran und keine Einschätzung treffen. Am Dienstagwaren drei Bergleute in der Grube des Betreibers K+S Kali GmbH ums Leben gekommen.

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Meiningen/Unterbreizbach (dpa/AFP/red) - Der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen, Markus Knapp, sagte am Mittwoch, die derzeitige Situation könne sich auch noch länger hinziehen. "Wir untersuchen das Grubenunglück unter dem Aspekt irgendwelcher strafrechtlicher Vorwürfe: War es ein Unfall, bei dem es Verantwortlichkeiten gibt, oder ein Unglück?" Nach der Explosion am Dienstag hatten vier Bergleute aus 700 Meter Tiefe gerettet werden können, drei Tote wurden am frühen Mittwochmorgen geborgen.

Kohlendioxid-Ausbruch sorgt für Druckwelle

In der Grube des Betreibers K+S Kali GmbH war es am Dienstag nach einer Routine-Sprengung in rund 700 Metern Tiefe zu einem ungewöhnlich heftigen Kohlendioxid-Ausbruch gekommen. Es bildete sich eine gewaltige Druckwelle mit einer enormen Staubentwicklung, die sich durch die gesamte Anlage bis an die Oberfläche ausbreitete. Drei Arbeiter im Alter von 24, 50 und 56 Jahren starben. Vier weitere Kumpel rettete die Grubenwehr.

Die Spezialisten waren nach K+S-Angaben am Mittwoch weiter damit beschäftigt, das Bergwerk zu belüften. Erst dann könne in der Anlage mit Untersuchungen begonnen werden, sagte eine Firmensprecherin. "Wir müssen warten, bis alle Wetter im Schacht wieder frisch sind." Der Betrieb in Unterbreizbach sei bis auf Weiteres eingestellt.

Die Unglücksursachen müssten nun nüchtern analysiert werden, sagte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei einem Besuch der Unglücksstätte. Der K+S-Vorstandsvorsitzende Norbert Steiner betonte, es werde sicher Tage und Wochen dauern, "bis wir wissen, wie es weitergeht".

"Nach menschlichem Ermessen sicher"

Der Bereich, in dem sich die Bergleute zum Zeitpunkt der Sprengung aufhielten, habe "nach menschlichem Ermessen" als "absolut sicher" gegolten, sagte Steiner. Zugleich sicherte er den Hinterbliebenen Hilfe zu und dankte den Rettungskräften. "Wir trauern mit den Angehörigen der verunglückten Bergleute."

Kohlendioxid-Einschlüsse im Gestein sind nach Angaben von K+S ein bekanntes Phänomen. Dass aus einer Blase wie in diesem Fall eine enorm große Menge Gas unter hohem Druck austrete, sei aber "absolut ungewöhnlich", hatte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag gesagt. Nach Angaben von K+S wurden die drei Getöteten einige Kilometer vom Ausbruchsort entfernt in der Nähe der Schachtanlage gefunden.

K+S ist einer der weltweit größten Salz-Produzenten der Welt. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel beschäftigt 14.000 Menschen und baut in Deutschland in sechs Bergwerken Kali- und Magnesiumsalze ab. Diese werden unter anderem als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt.

Quelle: DPA