Bericht

Erdgasspeicher wegen Kältewelle angeblich fast leer

Wegen der anhaltenden Kälte sind die Erdgasspeicher in Deutschland fast leer: Der durchschnittliche Füllstand der 48 deutschen Erdgasspeicher sei zum Wochenende auf den historischen Tiefstwert von 20 Prozent gefallen. Branchenvertreter warnten indes vor Panikmache.

Energiespeicher© Zeljko Radojko / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Von den angeblichen Engpässen berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf aktuelle Daten des europäischen Verbandes Gas Infrastructure Europe (GIE). In vielen Regionen seien die unterirdischen Erdgasspeicher sogar nur noch zu weniger als fünf Prozent gefüllt, berichtete die Zeitung weiter. Bei einem Füllstand von unter 60 Prozent geht den Angaben zufolge die Fähigkeit der Anlagen zur "Ausspeisung" des Gases deutlich zurück. Käme es in dieser Situation zu einem Ausfall einer Import-Pipeline, könnten die druckschwachen Speicher die fehlenden Erdgasmengen nicht mehr schnell genug ausgleichen. Der Branchenverband BDEW warnte vor Panikmache. Die derzeitigen Füllstände seien für die Jahreszeit normal.

Angeblich ein Problem der Entflechtung

In Deutschland werden rund 16,5 Millionen Wohnungen mit Erdgas beheizt. Die inländische Stromproduktion hängt zu rund elf Prozent von Erdgas-Kraftwerken ab. Vertreter der Gasindustrie warfen der Politik vor, das Thema Versorgungssicherheit beim Erdgas zu vernachlässigen: "Die früheren integrierten Unternehmen waren für Handel, Speicherung und Transport umfassend verantwortlich", sagte der Geschäftsführer des Gasnetzbetreibers Open Grid Europe, Stephan Kamphues. Durch die von der EU erzwungene Entflechtung der Gaskonzerne könne heute keiner der Beteiligten die Versorgungssicherheit mehr garantieren.

Hohe Heizkostenrechnung erwartet

Der lange Winter wird sich der Zeitung zufolge auch bei der Heizkostenrechnung negativ bemerkbar machen: Der Eigentümerverband Haus & Grund geht demnach von einem Anstieg um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem letzten Winter aus. Bereits von Oktober bis Januar sei es etwas kälter als im Vergleichszeitraum der vorherigen Heizperiode gewesen, der ungewöhnlich kalte März habe die Kosten nun weiter nach oben getrieben. Der Bund der Energieverbraucher rechnet dem Bericht zufolge sogar mit bis zu 20 Prozent höheren Heizkosten.

Im März war es dem Deutschen Wetterdienst zufolge 4,1 Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Die Wetterbeobachter ermittelten daraus insgesamt 614 sogenannte Gradtagszahlen - die Maßeinheit für die Berechnung des Heizenergiebedarfs in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Das ist ein Plus von 51 Prozent gegenüber den 405 Gradtagszahlen im März 2012.

In Euro und Cent berechnet

Was das in Euro in der Kasse von Haushalten mit Ölheizung ausmacht, errechnete im Auftrag der "WamS" die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online.de: Pro 100 Quadratmeter Wohnfläche dürften demnach für den März im Durchschnitt rund 60 Euro mehr Heizkosten anfallen als im März des vergangenen Jahres. Das liegt fast ausschließlich an der kalten Witterung, denn der Gaspreis ist im Vergleich zum März des Vorjahres kaum gestiegen. Wer mit Gas heizt, sollte dennoch überprüfen, ob ein Anbieterwechsel sinnvoll sein kann. Das Sparpotenzial im Vergleich zu den Tarifen des Grundversorgers ist enorm.

Quelle: AFP