Zerschlagung

E.ON will angeblich Tochter Ruhrgas verkaufen (Upd.)

Deutschlands größtem Gasimporteur E.ON Ruhrgas droht einem Medienbericht zufolge die Zerschlagung. Wie die "Financial Times Deutschland" in ihrer Montagsausgabe berichtet, will E.ON das 12.000 Kilometer lange Gastransportnetz des Unternehmens verkaufen.

Gasherd© ArtmannWitte / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Ein Käufer wird anscheinend schon gesucht. Damit will E.ON angeblich die verlustreiche Sparte Gashandel verkleinern. "Das Netz ist ins Schaufenster gestellt worden", erfuhr die Nachrichtenagentur dapd von einer mit den Vorgängen vertrauten Person. Auch in anderen Ruhrgas-Bereichen - etwa im Gashandel - seien einschneidende Veränderungen möglich.

Keine Stellungnahme

Die lukrative eigene Gasförderung werde voraussichtlich der Muttergesellschaft zugeschlagen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Die lukrative eigene Gasförderung des Essener Unternehmens werde voraussichtlich der Muttergesellschaft zugeschlagen. Ein Unternehmenssprecher lehnte auf dapd-Anfrage jede Stellungnahme dazu ab.

Ruhrgas galt früher als Perle der deutschen Energiewirtschaft - mit geradezu übermächtiger Marktstellung und Milliardengewinnen. E.ON hatte Ruhrgas 2003 deshalb auch nur gegen den Willen des Bundeskartellamts mit einer Ministererlaubnis übernehmen können.

Gasgeschäft bereitet schon länger keine Freude mehr

Doch bereitet das teuer eingekaufte Gasgeschäft dem Energiekonzern schon länger keine Freude mehr. Schuld daran sind der wachsende Wettbewerb und der Preisverfall auf dem Gasmarkt. Seitdem dank neuer Fördertechniken billiges Gas den deutschen Markt überschwemmt, ist E.ON Ruhrgas wegen seiner langfristigen Lieferverträge und der darin vereinbarten Ölpreisbindung gegenüber Wettbewerbern im Nachteil, die sich an den Spotmärkten zu deutlich günstigeren Konditionen eindecken können.

Keine Einigung mit Russland

Verhandlungen mit dem wichtigsten Lieferanten Russland über Preissenkungen blieben bislang ohne Ergebnis. Der Konzern will deshalb nun ein neutrales Schiedsgericht einschalten. Zusätzlicher Handlungsdruck entsteht für E.ON durch die Energiewende, die den Konzern allein im ersten Halbjahr mit 1,7 Milliarden Euro belastete. Im zweiten Quartal 2011 hatte der Konzern erstmals unter dem Strich einen Verlust ausweisen müssen und Pläne zum Abbau von bis zu 11.000 Stellen weltweit bis 2015 angekündigt.

Bereits vor einigen Monaten hatte der Konzern Firmenverkäufe in einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Euro angekündigt. Neun Millionen Euro davon wurden bereits realisiert. Der Verkauf der Ruhrgas-Tochter Open Grid, die das größte Ferngasleitungsnetz Deutschlands betreibt, könnte den Konzern dem angestrebten Ziel ein gutes Stück näher bringen.

Für E.ON selbst hat das Netzgeschäft an Attraktivität verloren, seit die Regulierungsbehörden den freien Netzzugang für alle Wettbewerber durchgesetzt und Maximalrenditen festgelegt haben. Auch RWE hatte erst kürzlich seine Gasnetz-Tochter Thyssengas verkauft.