Energiegewinnung

Biogas aus Sauerkrautsaft gewinnen

Das Pilotprojekt aus dem Elsass ist ein gutes Beispiel dafür, wie Substanzen, die man bislang aufwendig entsorgen musste, plötzlich nützlich werden: Die Sauerkraut-Branche will Bio-Energie aus dem Saft gewinnen, der bei der Milchsäuregärung des eingelegten Weißkohls entsteht. Nebenbei hofft die Branche auch auf einen hübschen Imagegewinn.

Alternativ Energie© Achim Banck / Fotolia.com

Krautergersheim (AFP/red) - Sauerkraut gehört zum Elsass wie die Störche oder die Weinstraße. Doch die kulinarische Spezialität der französischen Grenzregion zu Deutschland ist aus ökologischer Sicht nicht unproblematisch. Denn der Saft, der bei der Milchsäuregärung des eingelegten Weißkohls entsteht, musste bisher aufwendig entsorgt werden. Damit ist nun Schluss: In einer Pionier-Kläranlage bei Straßburg wird der Sauerkrautsaft nicht nur umweltgerecht entsorgt, sondern auch noch in Energie umgewandelt, genauer in Biogas.

Bisher mussten die Produzenten dieses Abfallprodukt zu einer speziellen Kläranlage in Straßburg bringen, wo der Sauerkrautsaft mit großen Mengen von Abwasser aus Haushalten verdünnt wurde. Die neue Anlage liegt rund 20 Kilometer südlich von Straßburg, nur wenige Kilometer von Krautergersheim entfernt - der elsässischen "Sauerkrautmetropole". Rund um diesen Ort erstrecken sich kilometerweit Weißkohl-Felder, die mehr als zwei Drittel des in Frankreich produzierten Sauerkohls liefern.

Der Saft kann nicht einfach entsorgt werden

Sauerkrautsaft sei sehr ätzend und könne daher nicht einfach wie die Abwässer der elf umliegenden Gemeinden um Krautergersheim mit ihren insgesamt 27.000 Einwohnern in einer herkömmlichen Kläranlage entsorgt werden, betont Clément Ritter vom Wasserversorgungsunternehmen Lyonnaise des Eaux, das die Pionier-Anlage betreibt. Zumal in Zeiten der Spitzenproduktion - zwischen August und Februar - eine Menge an Saft anfalle, die den Abwässern von 140.000 Menschen entspreche.

Bei der Entsorgung des Safts in einem hohen siloartigen Turm helfe eine spezielle Art von Bakterien, erläutert Ritter. Sie verbrauchten innerhalb weniger Stunden 90 Prozent der in dem Saft enthaltenen organischen Verbindungen aus Kohle- und Wasserstoff. "Und dabei produzieren sie ein Biogas von hervorragender Qualität." Das Biogas aus dem Sauerkrautsaft wird anschließend mit dem vermengt, das in der Kläranlage für Haushaltsabwässer durch andere Bakterien hergestellt wird.

Energie an französischen Versorger verkaufen

Die dabei gewonnene Energie entspreche dem Verbrauch von 1500 Einwohnern, erläutert der Leiter der Kläranlage, Jérôme Fritz. Sie liefere die für den Betrieb der Kläranlage erforderliche Wärme. Und wenn die Sauerkrautproduktion auf Höchsttouren laufe, könne sogar überschüssige Energie an den französischen Stromversorger EDF verkauft werden. Die ersten Erfahrungen mit dem Pilotprojekt seien sehr positiv, bestätigt auch Anne Roth-Boucard, die Direktorin des kommunalen Zweckverbandes, der die neue Anlage finanziert hat.

Die Sauerkrauthersteller müssen zwar für die Entsorgung des Saftes weiterhin zahlen, sparen aber den Transport zu der Spezialanlage in Straßburg. Vor allem werde das Image des Berufs aufgewertet, meint Jean-Luc Meyer, der die größte Sauerkrautfabrik in der Region betreibt. "Bisher galten wir als Umweltverschmutzer, nun werden wir mit nachhaltiger Entwicklung in Verbindung gebracht."

Quelle: AFP