Erdgaspreise: Wohin geht der Trend und was können Verbraucher tun?

Die Erdgaspreise werden mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig steigen und das nicht nur, weil es sich um eine begrenzte Ressource handelt. Verbraucher haben mehrere Möglichkeiten, die Folgen steigender Erdgaspreise für sich zu begrenzen. Eine einfache Chance besteht in der Suche nach einem optimalen Tarif. Wir zeigen auf unserer Übersichtseite eine Palette an Einsparmöglichkeiten auf und informieren über die Einflüsse auf die Erdgaspreise.

Was beeinflusst den Erdgaspreis in Deutschland?

Abrechnung Gas

In Deutschland sind die Erdgaspreise durchgängig hoch, weil nur rund acht Prozent der benötigten Mengen im Land selbst gefördert werden. Der verbleibende Bedarf muss mit Importen aus Norwegen, den Niederlanden und Russland gedeckt werden. Das heißt, dass sich hier auch die Transportkosten und Abgaben negativ bemerkbar machen. Rund 44 Prozent des Erdgases gehen an die Industrie oder werden in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung verwendet. Der Verbrauch in privaten Haushalten macht in Deutschland rund ein Viertel des gesamten Erdgasbedarfs aus.

Erdöl Pipeline

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Welchen Zusammenhang haben Biomasse und Erdgaspreise?

Der verstärkte Ausbau der Anlagen zur Gewinnung von Biogas schreitet noch zu langsam voran, um direkte Auswirkungen auf den Erdgaspreis zu haben. Die Nennleistung von Biomassekraftwerken lag 2005 in Deutschland noch bei rund 2,3 Gigawatt. Bis 2015 stieg die Nennleistung auf rund sieben Gigawatt. Von einer echten Entlastung der mit konventionellem Erdgas betrieben Kraftwerke kann also noch nicht gesprochen werden. Auch die Einspeisung von Biogas ins Netz kommt nicht so schnell voran, wie sich das die Bundesregierung wünscht, obwohl sich die eingespeiste Menge beispielsweise in Bayern von 2011 bis 2015 verdoppelt hat. Die Mengen sind noch zu gering, um die Erdgaspreise spürbar zu beeinflussen.

Wirken sich die Erdölpreise auf den Erdgaspreis aus?

Steigende Erdölpreise machen Gasheizungen interessanter. Dadurch steigt jedoch die Nachfrage nach Erdgas, was wiederum den Erdgaspreis in die Höhe treibt. Allerdings hat Erdgas hier den Nachteil, dass es (zumindest im privaten Bereich) nicht bevorratet werden kann. Damit wird es unmöglich, die saisonalen Preisschwankungen zu nutzen, welche beim Erdölpreis jedes Jahr auftreten. Aktuell ist von dauerhaft steigenden Erdölpreisen auszugehen. Dazu tragen nicht nur die von der OPEC beschlossenen Begrenzungen der Fördermengen bei. Auch Barack Obama hat dort kurz vor dem Ende seiner Amtszeit einen Beitrag geleistet. Er griff auf den "Outer Continental Shelf Lands Act" aus dem Jahr 1953 zurück, um riesige Gebiete in Alaska und dem Nordosten der USA unter Naturschutz zu stellen. Somit sind dort weder die Förderung von Erdöl noch von Erdgas möglich. Das begrenzt die auf dem Weltmarkt vorhandenen Kapazitäten zusätzlich.

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Könnte Fracking die Erdgaspreise nachhaltig senken?

Eine Alternative zu konventionellem Erdgas wäre die Nutzung von Schiefergas. Allerdings gehen mit der als Fracking bezeichneten Förderung einige Risiken einher. Inzwischen wurde durch verschiedene Studien wissenschaftlich bewiesen, dass Fracking Erdbeben verursachen kann. Das beweisen Beben in Kanada, die teilweise Stärken von mehr als 4,0 auf der nach oben offenen Richter-Skala hatten. Ähnliche Zusammenhänge sind auch in Deutschland bei Erdbeben in der Nähe von Vechta festgestellt worden. Geologen nehmen derzeit an, dass Fracking Erdbeben bis zu einer Stärke von 6,0 auslösen können. Deshalb möchte die Bundesregierung eines der strengsten Fracking-Gesetze weltweit etablieren. Eine Entlastung der Erdgaspreise durch Schiefergas ist deshalb für die nähere Zukunft sehr unwahrscheinlich.

Gegenmaßnahmen zu den steigen Erdpreisen

Was können Gaskunden folglich tun, um gegen die steigenden Erdgaspreise anzugehen? Im ersten Schritt sollte der günstigste am Wohnort verfügbare Gasanbieter ermittelt werden. Das geht am schnellsten mit einem Tarifrechner.

Beim Online-Gasvergleich werden in den Vergleich der Erdgaspreise einige individuelle Faktoren einbezogen. Dazu zählen beispielsweise die konkreten Verbrauchszahlen oder die Wohnfläche. Auch die Postleitzahl wird bei den Tarifrechnern für Erdgas abgefragt. Der Grund dafür ist, dass es einige Erdgasanbieter gibt, die sich auf die Versorgung in einer bestimmten Region spezialisiert haben. Der Anbieterwechsel ist online sehr komfortabel und nicht mit einem Austausch der Gaszähler oder einer Unterbrechung der Versorgung verbunden. Bei einem Anbieterwechsel wird lediglich eine Zwischenablesung durchgeführt und vom alten Anbieter eine Schlussrechnung erstellt.

Gasvergleich

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Erdgaskosten lassen sich mit weiteren Maßnahmen senken

Der überwiegende Teil des Verbrauchs von Erdgas entfällt auf die Heizungen. Deshalb spielen bei der Kostensenkung die thermischen Isolierungen der Gebäude eine wichtige Rolle. Bauherren sollten deshalb hohe Ansprüche an die Isolierungen der Bodenplatte, der Kellerbereiche, der Fassaden und der Dachbereiche stellen. Außerdem sollten nur Fenster und Türen mit guten Isolierwerten und Dreifachverglasung verbaut werden, wenn hohe Erdgaspreise die Heizkosten nicht unnötig in die Höhe treiben sollen.

100 Prozent unabhängig mit der Abkehr vom Gas

Ergänzend sollte über einen Austausch der Gasherde gegen moderne Elektroherde nachgedacht werden, auch wenn sich die Erdgaspreise durch niedrige Verbrauchsmengen nur minimal auswirken. Inzwischen steht effiziente Technik zur Speicherung des mit Solaranlagen erzeugten Stroms zur Verfügung. Die Sonne liefert die benötigte Energie gratis. Die Photovoltaikanlagen selbst und die Speichertechnik werden durch die lange Nutzungsdauer rentabel. Die zu erwartende Nutzungsdauer reicht weit über den Amortisierungszeitraum der getätigten Investition hinaus. Dafür sorgen auch die von vielen Herstellern über mehrere Jahrzehnte hinweg abgegebenen Garantien.

Ist eine Unabhängigkeit vom Erdgaspreis möglich?

Wer sich nicht von den Erdgaspreisen abhängig machen möchte, sollte seine Heizung auf moderne und umweltfreundliche Technologien umstellen. Dabei stehen nachwachsende Energielieferanten ganz oben auf der Rangliste. Ein gutes Beispiel dafür sind die Pelletheizungen. Holzpellets gelten noch dazu als klimaneutral, weil bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid frei wird, wie das Holz beim Wachsen der Umwelt entzogen hat. Pelletheizungen sind deshalb und wegen der fehlenden Beeinflussung durch die Erdöl- und Erdgaspreise in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Zahl derartiger Anlagen erhöhte sich von rund 278.600 im Jahr 2012 auf rund 428.500 im Jahr 2016. Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung bei Heizungen, die eine duale Beschickung mit Feststoffen und Erdgas oder Erdöl ermöglichen.

Nutzung der Sonnenenergie reduziert die Abhängigkeit vom Erdgaspreis

Inzwischen entscheiden sich auch immer mehr Hausbesitzer für eine Unterstützung ihrer Heizungs- und Warmwassersysteme durch die Installation solarthermischer Anlagen. Damit wird die konventionelle Heizung, deren Kosten durch die Erdöl- und Erdgaspreise beeinflusst werden, sozusagen zum Reservesystem, das nur dann aktiv wird, wenn die von der Sonne gratis gelieferte Wärme nicht ausreicht. In Deutschland wurden deshalb allein im Jahr 2015 mehr als 100.000 neue solarthermische Anlagen in Betrieb genommen. Damit stieg die Anzahl der in Deutschland betrieben Solarsysteme zur Wärmeerzeugung auf rund 2,15 Millionen. Imposant ist die Summe, die dadurch als Einsparung bei den Kosten für konventionelle Brennstoffe erzielt wurde. Sie belief sich im Jahr 2015 auf rund 190 Millionen Euro. Auch der Umweltvorteil ist enorm, denn im gleichen Jahr konnte dadurch der Ausstoß von rund zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

Wärmepumpen machen unabhängiger vom Erdgaspreis

Wärmepumpe

Der Erdgaspreis wirkt sich auf die Heizkosten umso weniger aus, je mehr Wärmeenergie aus anderen Quellen gewonnen wird. Deshalb gewinnen die Wärmepumpen zunehmend an Bedeutung. Hier stehen verschiedene Systeme zur Auswahl, bei denen auch die konstante Temperatur der Erde ab etwa einem Meter Tiefe genutzt werden kann. Der Vorteil der Erdwärmepumpen besteht darin, dass sie im Winter die Frischluft vorheizen und im Sommer als kostengünstige Möglichkeit der Kühlung der Frischluft dienen. Wer unabhängig vom Erdgaspreis werden möchte, sollte ergänzend Systeme zur Wärmerückgewinnung in seine Gebäude integrieren. Sie können die Energie aus der Abluft ebenso wie aus dem Abwasser ziehen.

Wärmepumpe Erdwärme

Wärmepumpen - Energie aus der Umwelt

Die Wärmepumpe gibt es in verschiedenen Varianten. Sie nutzt die Wärme aus der Natur, um Energie zu erzeugen, aus der Erde, der Luft oder dem Wasser.

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Staatliche Förderungen machen die Abkehr von Erdgas und Erdöl interessant

Der Bund, die Länder und die Europäische Union stellen vielfältige Förderungen für den Umstieg auf solarthermische Systeme, Wärmepumpentechnik und Pelletheizungen zur Verfügung. Außerdem gibt es zahlreiche Förderprogramme, die auf eine Verbesserung der thermischen Isolierungen abzielen. Dabei haben die Förderstellen nicht die Erdöl- und Erdgaspreise im Fokus, sondern die Programme wurden als Unterstützung der im Rahmen der Energiewende gesetzten Ziele etabliert.

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